Inhalt
- Teil 1: Die Vorgeschichte
-
Transkript Teil 1
- 2024: Planung einer dritten Gesamtschule
- 2024: Elternbefragung und Sanierung der JKG
- 2025: "Schulorganisatorische Maßnahmen"
- 2025: Politische Debatte (und Kommunalwahlkampf)
- 2025: Schulkompromiss und Richtungsbeschluss: Absage an die dritte Gesamtschule
- 2025: Umwandlungspläne und -folgen
- 2026: Finanzen, Neu- und Erweiterungsbauten
- 2026: Geplante Gesetzesänderung
- 2026: Endgütiger Umwandlungsbeschluss
- 2026: Doch noch eine dritte Gesamtschule?
- Zusammenfassung
- Teil 2: Stellungnahmen der Parteien und der Verwaltung
- Transkript Teil 2
- Anfrage und Antworten im Wortlaut
Teil 1: Die Vorgeschichte
Transkript Teil 1
Herzlich willkommen zu einer weiteren Ausgabe von “Zukunft. Bottrop fragt…”, diesmal zu einem Thema aus dem Bereich der Schulpolitik – der Umwandlung der Janusz-Korczak-Gesamtschule in eine Sekundarschule.
Und da die Vorgeschichte relativ lang und etwas verworren ist, ist das hier der erste von zwei Teilen. Hier geht es um die circa 2 1/2-jährige Vorgeschichte, im zweiten Video um die Positionen und Einschätzungen verschiedener Akteure.
Los geht’s! Es gab ja rund um die Schullandschaft im Allgemeinen und die Janusz-Korczak-Gesamtschule im Speziellen eine längere Debatte, die in den letzten Monaten und Jahren mal mehr, mal weniger hitzig geführt wurde. Das Thema eignet sich meiner Ansicht nach sowohl zur Verdeutlichung, wie politisches und Verwaltungshandeln im Spannungsfeld zwischen politischer Debatte, Bedürfnissen von Schüler:innen und Eltern, externen Bedingungen wie zum Beispiel Vorgaben der Bezirksregierung und geltenden gesetzlichen Regelungen zustande kommt.
Andererseits zeigt es aber auch, wie eine transparente Kommunikation an betroffene und oder interessierte Bürger:innen und die nachvollziehbare Erklärung von politischem und Verwaltungshandeln aufgrund hoher Dynamik und ebenso hoher Komplexität manchmal unter die Räder kommen.
Ich habe mal versucht, das Thema mithilfe öffentlicher Quellen nachzuvollziehen, vom Beginn der Planungen zum Bau einer dritten Gesamtschule neben Willy Brandt (WBG) und Janusz Korczak (JKG) bis zum Planungsstopp für diese dritte Gesamtschule und der Umwandlung der JKG in eine Sekundarschule, also am Ende nur noch einer Bottroper Gesamtschule.
Dafür müssen wir mindestens zurück ins Jahr 2024:
2024: Planung einer dritten Gesamtschule
Anfang 2024 wurde unter anderem auf Basis der Schulentwicklungsplanung und aufgrund des erwarteten Anstiegs der Schülerzahlen beschlossen, eine dritte Gesamtschule in Bottrop zu eröffnen. Die ersten relevanten Beschlussvorlagen, Abstimmungsergebnisse und Niederschriften der entsprechenden Sitzungen, die man finden kann, sind vom 28.05.2024. Da wurde im Schulausschuss einstimmig beschlossen, eine dritte Gesamtschule zu errichten und auch das Vorgehen skizziert, eine Befragung der Eltern durchzuführen und anhand einer Bewertungsmatrix Elternwille, Kosten, Erreichbarkeit und weitere Faktoren zu vergleichen.
In darauf basierenden folgenden Beschlussvorlagen wird regelmäßig auch auf die Sitzung vom 14.03.2024 Bezug genommen, in der die Verwaltung durch den Schulausschuss beauftragt wurde, die erforderlichen Maßnahmen zur Gründung und Errichtung einer weiteren Gesamtschule zu prüfen. Das scheint aber in einem nicht-öffentlichen Teil passiert zu sein. Zumindest findet man dazu weder in den Tagesordnungen noch in den Niederschriften der Schulausschusssitzungen einen Hinweis.
Die Idee wurde zu diesem Zeitpunkt aber gemäß Presseberichterstattung von mehreren Parteien unterstützt und hatte im Schulausschuss wohl auch eine entsprechende parteiübergreifende Mehrheit. Zu Beginn wurde politisch noch der Standort an der auslaufenden Hauptschule Welheim im Bottroper Süden favorisiert, um eine zu starke Konzentration weiterführender Schulen in Stadtmitte zu vermeiden und den Bottroper Süden bildungspolitisch nicht “abzuhängen”. Alternativ waren der Sportplatz an der Passstraße und – das von mir zum Beispiel neu – der Droste-Hülshoff-Platz, also der Standort des stillgelegten Saalbaus, im Gespräch und wurden auf ihre Eignung als neuer Schulstandort überprüft.
2024: Elternbefragung und Sanierung der JKG
Um die neue Gesamtschule nicht an den Wünschen der Eltern der zukünftigen Schülerinnen und Schüler vorbei zu planen und auch um gleichzeitig die Nachfrage nach einer weiteren Gesamtschule zu erheben, wurde Ende 2024 die geplante Elternbefragung unter Eltern von Erst- und Zweitklässler:innen zu Anmelde und Standortpräferenzen durchgeführt.
Der sogenannte Elternwille ist bei anstehenden Schulneugründungen gemäß §78 (5) Schulgesetz NRW (SchG) zu berücksichtigen. Daneben steht im Runderlass 10-02 Nr. 9 zur “Bereinigten Amtlichen Sammlung von Schulvorschriften NRW” – kurz BASS – dass eine Schule nur dort errichtet werden kann, wo auch “erwartet werden kann, dass das Elternwahlverhalten die Errichtung und Fortführung einer Schule in der gesetzlichen Regelform (Mindestzügigkeit gemäß §10 a Schulverwaltungsgesetz (SchVG)) dauerhaft gewährleistet.” Also kurz: Neue Schulen nur dort, wo Schulform und Standort ausreichende Anmeldungen erwarten lassen.
Der genannte §10 a des SchVG NRW legt in Abs. 1 die Mindestzügigkeit für Gesamtschulen auf in der Regel vier Parallelklassen fest. Das wird gegebenenfalls im Folgenden noch wichtig.
Bis zum Zeitpunkt der Elternbefragung im Herbst 2024 war der Standort Droste-Hülshoff-Platz übrigens aufgrund der begrenzten Flächen bereits wieder vom Tisch. Die Begründung hierfür habe ich ausschließlich in einer Niederschrift zum Schulausschuss im Mai 2024 (S. 9) gefunden, in den Ausführungen der Dezernentin Alexius-Eifert auf eine Nachfrage eines Ausschussmitglieds: Die “Saalbaufläche” sei aufgrund von Lage, Platzbegrenzung und erwarteten Kosten im Rahmen der initialen Standortprüfung direkt ausgeschlossen worden und stehe in der Elternbefragung daher auch nicht mehr zur Auswahl.
Also wurden die Eltern in dem Fragebogen kaskadierend erst nach der gewünschten Schulform der weiterführenden Schule für ihre Kinder gefragt, danach – wenn “Gesamtschule” ausgewählt wurde – nach dem gewünschten Standort, wahlweise entweder an den bestehenden Gesamtschulen JKG bzw. WBG oder dem neuen Standort und wiederum danach – wenn “neuer Standort” ausgewählt wurde – nach der Präferenz für Paßstraße oder Welheimer Straße.
Der Rücklauf und die Repräsentativität der Antworten der Elternbefragung war insgesamt geringer als erwünscht. Die Eltern von Erst- und Zweitklässlern sprachen sich allerdings in der Tendenz eher für den Standort an der Paßstraße aus. Die Annahme, dass die für eine dritte Gesamtschule mindestens notwendigen 108 Anmeldungen für vier Parallelklassen zum Schuljahr 27/28 zusammenkommen würden, also die Voraussetzungen gemäß Schulverwaltungsgesetz erfüllt würden, basiert daher auf einer extrapolierten Hochrechnung aus den recht bescheidenen Daten, da jeweils zu wenige Eltern die Kombination aus “Kind soll auf einer Gesamtschule” + “am neuen Standort” + “Wir bevorzugen Paßstraße bzw. Welheim” angegeben hatten.
Bis hierhin verlief also alles einigermaßen harmonisch. Die JKG sollte saniert werden und bestehen bleiben und eine dritte Gesamtschule sollte an der Paßstraße gebaut und eröffnet werden. Der Prozess bis hierhin wurde aber auch durch mehrere Gespräche des Fachbereichs Schule mit der zuständigen Bezirksregierung Münster flankiert, die neben der generellen Billigung der Planung einer dritten Gesamtschule allerdings parallel auch die geringen Anmeldezahlen der JKG regelmäßig und seit mehreren Jahren kritisierte.
Die Gründung einer dritten Gesamtschule stand seitens der Bezirksregierung Münster daher wohl unter einem gewissen Vorbehalt, dass die Anmeldezahlen an der JKG grundsätzlich steigen müssten, um eine dritte Gesamtschule zu rechtfertigen. Denn eine dritte Gesamtschule zu eröffnen, ohne dass die beiden bereits bestehenden Gesamtschulen ausgelastet sind, scheint tatsächlich etwas kontraintuitiv.
2025: "Schulorganisatorische Maßnahmen"
Die Anmeldezahlen der JKG waren daher regelmäßig in Sitzungen des Schulausschusses Thema, unter anderem auch im Frühjahr 2025. Diese lagen für das damals anstehende Schuljahr 25/26 bei lediglich 45 Erstanmeldungen. Damit können nur zwei Parallelklassen an der ursprünglich als bis zu sechszügig konzipierten Gesamtschule gebildet werden. Daher sei die Verwaltung seitens der Bezirksregierung zu “schulorganisatorischen Maßnahmen” aufgefordert worden.
Die Bezirksregierung Münster skizzierte dazu vier Optionen:
- Eine Errichtung von Schuleinzugsbereichen, um mehr Schülerinnen und Schüler der JKG zuordnen zu können,
- eine vorübergehende Begrenzung der Zügigkeit an der WBG, um mehr Schülerinnen und Schüler an die JKG umverteilen zu können,
- eine Fusion der JKG mit der WBG und eine Weiterführung der JKG als Teilstandort der WBG, sowie
- eine Umwandlung der Schule in eine Sekundarschule.
2025: Politische Debatte (und Kommunalwahlkampf)
Die Diskussion wurde nicht nur verwaltungsseitig, sondern auch politisch geführt: CDU und FDP stellten bereits Anfang 2025 öffentlich den Beschluss für die dritte Gesamtschule und auch die Ergebnisse der Elternbefragung in Frage. Vielleicht handele es sich dabei aber auch lediglich um durch den Kommunalwahlkampf 2025 angeregte Scharmützel, wie der damalige SPD-Fraktionsvorsitzende und jetzige Oberbürgermeister Matthias Buschfeld sich sinngemäß in der Presse zitieren ließ.
Was davon schlussendlich ausschlaggebend war – die politischen Zweifel an dem Beschluss und den Befragungsergebnisse oder die der Verwaltung von der Bezirksregierung auferlegten schulorganisatorischen Maßnahmen – ist am Ende irrelevant. Auf jeden Fall prüfte die Verwaltung in der Folge die möglichen Optionen der Bezirksregierung zum Umgang mit der JKG, verwarf die ersten drei der oben genannten Optionen (also Schuleinzugsbereiche, Deckelung der WBG-Schüler:innenzahl und Fusion mit der WBG) und entwickelte den Plan einer Umwandlung der JKG in eine Sekundarschule.
2025: Schulkompromiss und Richtungsbeschluss: Absage an die dritte Gesamtschule
Da die parallele Planung einer dritten Gesamtschule bei gleichzeitiger Umwandlung einer bestehenden Gesamtschule nicht nur grundsätzlich etwas widersprüchlich, sondern auch zeitgleich planungstechnisch nicht oder kaum machbar sei, kam es bereits Ende März zu dem parteiübergreifenden sog. “Schulkompromiss”: SPD, CDU, die Grünen, ÖDP und FDP gaben eine gemeinsame Erklärung heraus, das kaum zu vermitteln sei, “eine Gesamtschule in eine Sekundarschule umwandeln zu müssen und gleichzeitig an einem anderen Standort eine neue Gesamtschule zu gründen”.
Daher nehme man Abstand von der Neugründung einer Gesamtschule. Demgegenüber positionierten sich damals AfD, Linke und DKP gegen die Umwandlung. Der Erhalt und der Standort der Gesamtschule waren auch Wahlkampfthemen der Kommunalwahl 2025.
Im Schulausschuss Anfang April 2025 wurde im Rahmen des Vorgangs 2025/0149 über die Umwandlung diskutiert und die ersten Planungen der Verwaltung zur Umwandlung der JKG in eine Sekundarschule zur Kenntnis genommen. In der Vorlage ist unter “weiteres Vorgehen” auch der Stopp der Planungen der dritten Gesamtschule vermerkt.
Und in einem sog. “Richtungsbeschluss” vom 27.06.2025 – Vorgang 2025/0249 – wurde bei Gegenstimmen von DKP, Linken und AfD von den anderen Parteien beschlossen, den Umwandlungsprozess der JKG einzuleiten und die Gründung der dritten Gesamtschule auszusetzen.
2025: Umwandlungspläne und -folgen
Die Umwandlungspläne für die JKG schlugen hohe Wellen. Nicht nur, dass das die allererste Umwandlung einer Gesamt- zu einer Sekundarschule in ganz NRW wäre, auch die Schülerschaft protestierte, die Schulleitung, die Schulpflegschaft und weitere Akteure nahmen ebenfalls kritisch Stellung. Eine 2025 gestartete Petition hat innerhalb des letzten Jahres über 1.800 Unterstützer:innen gesammelt.
Denn die Umwandlung würde gravierende Folgen haben. Eine Sekundarschule umfasst nur die Sekundarstufe I (Sek I), also Klassen bis zur 10. Jahrgangsstufe, wohingegen eine Gesamtschule auch eine Sekundarstufe II (Sek II) umfasst und unter anderem auch ein Abitur als Abschluss nach 13 Jahren möglich ist. Aktuelle Gesamtschüler:innen könnten also den gegebenenfalls angestrebten Abschluss nach Umwandlung nicht mehr an der JKG (bzw. der noch umzubenennenden neuen Sekundarschule) machen, sondern müssten für die Oberstufe auf eine andere Schule wechseln. Laut Verwaltung solle aber durch Kooperationsvereinbarungen mit anderen Schulen allen angehenden Abiturient:innen der JKG die Möglichkeit eingeräumt werden, das Abitur auch zu erlangen.
Daneben sind weitere Auswirkungen z.B. auf die Personalstruktur der jetzigen JKG zu erwarten, da das teilweise für die Sek II ausgebildete Kollegium an einer reinen Sek I-Schule wohl nicht in der jetzigen Form erhalten bleiben wird und bereits jetzt mehrere Lehrer:innen ihren Schulwechsel angekündigt haben.
Außerdem sind durch die Umwandlung eventuell Auswirkungen auf die zukünftigen Anmeldezahlen zu erwarten, denn die Verunsicherung in der Elternschaft der jetzigen JKG-Sek I-Schülerinnen und Schüler sowie unter Eltern jetziger Grundschulkinder, die sich jetzt oder in naher Zukunft für eine weiterführende Schule entscheiden sollen, ist auf jeden Fall nicht zu unterschätzen. Meldet man sein Kind an einer Gesamtschule an, obwohl die Lebensdauer dieser Schulform absehbar dem Ende zugeht?
2026: Finanzen, Neu- und Erweiterungsbauten
Und 2026 kamen weitere Themen zu der Debatte hinzu. Die bereits seit 2022 laufende Sanierung der JKG-Gebäudesubstanz, die scheinbar bereits im Jahr 2024 hätte abgeschlossen sein sollen und mit 10 Mio. € – davon 90% gefördert – veranschlagt war, führte ebenso zu Unmut wie die Kosten der Neu- und Erweiterungsbauten der innerstädtischen Realschulen, die etwa 24 Mio. € kosten sollen. Zu beiden Vorgängen brachte sich unter anderem die Fraktion aus Grünen und ÖDP in Stellung:
“Wer Bildung ernst nimmt, muss auch in die Bildungsinfrastruktur investieren. Moderne und funktionierende Schulgebäude sind keine Nebensache, sondern Voraussetzung für gute Bildung”, lässt sich die Fraktion in der Presse zitieren. Außerdem solle freier Schulraum besser genutzt werden. Ob die Verwaltung wirklich alle möglichen Anstrengungen unternommen habe, um Anmeldungen von Realschulen zu Gesamtschulen umzuverteilen, wurde ebenfalls von Grünen und ÖDP angezweifelt. Dem entgegen stünde der Elternwille bzgl. der Auswahl der weiterführenden Schulen, hieß es in der Replik der Verwaltung, auch wenn das Land NRW Schuleinzugsbereiche zur Steuerung der Anmeldezahlen grundsätzlich erlaube.
2026: Geplante Gesetzesänderung
Um jetzt noch einen weiteren Komplexitätslayer hinzuzufügen, gäbe es eventuell eine theoretische Möglichkeit, die Janusz-Korczak-Schule als Gesamtschule zu erhalten. Nicht nur, dass sich mittlerweile die 49 Erstanmeldungen für das bald folgende Schuljahr 26/27 mit erfolgten Nachmeldungen und Teilnehmenden an der sog. “Erstförderung” auf momentan 87 (also drei Parallelklassen) summieren – das Land NRW arbeitet momentan auch an der Novelle der gesetzlichen Grundlagen zur Mindestgröße von Schulen:
Dazu soll “bei Schulen, die in der Regel Schülerinnen und Schüler aufnehmen, welche nach der Erprobungsstufe [also nach der sechsten Klasse] die Schulform wechseln”, in Zukunft die Schüler:innenzahl der 7. Klassen und nicht mehr die Anmeldezahlen der fünften Klasse ausschlaggebend sein. “Dadurch kann die Mindestgröße einer Schule auch dann als erreicht gelten, wenn sie spätestens ab Klasse 7 gesichert ist.”
Da die JKG häufig Schüler:innen aufnimmt, die nach der sechsten Klasse von anderen Schulformen wechseln, könnte damit ggf. ein Fortbestand der JKG in jetziger Form als Gesamtschule ermöglicht werden. Denn mit der Gesetzesänderung wären die von der Bezirksregierung angeregten Maßnahmen und im Endeffekt die Umwandlung der JKG in eine Sekundarschule nicht mehr zwingend erforderlich.
Das Gesetz befindet sich allerdings momentan erst im Entwurfsstadium und muss noch durch den Landtag. Ob und in welcher Form es beschlossen und wann es in Kraft tritt, ist also noch überhaupt nicht abzusehen.
2026: Endgütiger Umwandlungsbeschluss
Und nun folgte in der Schulausschusssitzung vom 10.06.2026 mit dem Vorgang 2026/0213 der vorerst letzte Akt. Kurz vorher brachte noch die Linke einen Änderungsantrag ein, mit der begleitenden Presseerklärung war sie in vielen Punkten deckungsgleich mit den bisherigen Ausführungen in diesem Video:
Die Dauerbaustelle beeinflusse die Attraktivität der JKG, die Schüler:innenzahl ab Klasse 7 könne nach Gesetzesänderungen eventuell ausreichend sein, der Wegfall der Sek II sei kaum zumutbar… Die Auswirkungen auf das Kollegium, die Stellungnahmen der Schulleitung und der Elternvertretung und mehr fanden darin Platz.
Der eigentlichen Debatte im Ausschuss waren sowohl ein Antrag zur Tagesordnung der Fraktion Grüne/ÖDP, nämlich die Entscheidung zur JKG komplett von der Tagesordnung zu nehmen, als auch ein Antrag der AfD auf Einräumung des Rederechts für den Schulleiter der JKG vorgelagert, die beide abgelehnt wurden. Auch die Abstimmung über den Antrag der Linken erhielt mit 8 Zustimmungen zu wenig Stimmen.
In der Debatte selbst wurden noch einmal alle Argumente ausgetauscht, schlussendlich wurde allerdings mit 16 : 8 Stimmen die Umwandlung der JKG in eine Sekundarschule beschlossen. Die Beratungsfolge sieht zwar noch Ende Juni eine Behandlung im Haupt-, Finanz- und Beschwerdeausschuss und eine endgültige Abstimmung im Rat der Stadt Anfang Juli vor. Diese Sitzungen werden an der Beschlusslage aber kaum etwas ändern.
2026: Doch noch eine dritte Gesamtschule?
Eine letzte Beobachtung: In allen Beschlüssen im Zusammenhang mit der Umwandlung der JKG bzgl. der ursprünglich geplanten dritten Gesamtschule werden Formulierungen benutzt wie “Solange dieser Umwandlungsprozess nicht abgeschlossen ist, wird der Beschluss zur Gründung einer neuen Gesamtschule vom 28.05.2024 nicht weiterverfolgt”. Unter anderem in den sozialen Medien hat das zu Vermutungen geführt, dass nach der Umwandlung der JKG in eine Sekundarschule die Planungen für eine neue Gesamtschule wieder aufgenommen würden. Belege oder offizielle Quellen dafür kenne ich allerdings nicht.
Zusammenfassung
Soweit erstmal zu den Vorgängen rund um die JKG irgendwo zwischen Parteipolitik, Verwaltungshandeln, Bezirksregierung, Landesgesetzen und betroffenen Schüler:innen, Eltern und Lehrer:innen.
Die Informationen zusammenzuklauben war übrigens selbst für interessierte und recherchefreudige Menschen nicht ganz einfach. Die ersten Treffer der Webseitensuche auf bottrop.de suggerieren noch immer die Gründung einer dritten Gesamtschule [Anm.: Die Aussage bezieht sich auf die Suche nach "Gesamtschule" zum Stand vom 17.06.2026 – erst der sechste Treffer behandelt die Umwandlung der JKG, mehrere Treffer davor verweisen auf die Pläne zur dritten Gesamtschule]. Wer auf eine Infoseite hofft, die alle Infos griffig und übersichtlich zusammenfasst, wird leider enttäuscht.
Und wer schon einmal die Recherchefunktion des Ratsinformationssystems genutzt hat, weiß um die etwas eingeschränkte Bedienfreundlichkeit durch fehlende Sortierungs- und Filterfunktionen der Suchergebnisse. Da sind also viele Klicks und Suchen notwendig, um sich ein Überblick zu verschaffen. Die Informationen von Bürger:innen, Eltern und weiteren betroffenen Gruppen halte ich also für mindestens ausbaufähig.
Zur Nachverfolgung der Ausschussdebatten, der Parteienstandpunkte und der Ausführungen der Verwaltung würden übrigens wortgenaue Transkripte statt Ergebnisprotokollen oder – noch besser – Videoaufzeichnungen mit durchsuchbaren Transkripten aller Sitzungen über die Ratssitzung hinaus sehr helfen.
Falls mir bei der Recherche und/oder in der Darstellung kleinere oder größere Fehler unterlaufen sind oder falls ich relevante Details vergessen habe, meldet euch gerne oder kommentiert diesen Beitrag.
Ansonsten folgt Teil zwei hierzu etwa Ende Juni. Wir haben manche der beteiligten Akteure nach der Schulausschusssitzung im Juni 2026 nach ihrer Einschätzung zum Prozess, zum Ergebnis und den Perspektiven für die Bildungslandschaft in Bottrop befragt. Die Antworten werden wir natürlich ebenfalls aufbereiten und veröffentlichen.
Bis hierhin vielen Dank fürs Zusehen und
bis bald!
Teil 2: Stellungnahmen der Parteien und der Verwaltung
Transkript Teil 2
Willkommen zum zweiten Teil von “Zukunft Bottrop fragt … zur JKG”!
Wer den mehrjährigen Prozess bis heute – also Stand Juni 2026 – nachverfolgen möchte, sollte sich vorher Teil 1 dieses Zweiteilers ansehen.
Im Nachgang zur letzten Sitzung des Schulausschusses haben wir sowohl die Bottroper Ratsgruppen als auch die Leiterin des Fachbereichs Schule und Kindertagesbetreuung, Frau Granow-Keysers, und die zuständige Dezernentin für Soziales, Jugend, Integration, Schule und Kindertagesbetreuung, Frau Alexius-Eifert, angeschrieben und folgendes gefragt:
- Wie beurteilen Sie den Prozess der letzten Jahre von ersten Planungen für eine dritte Gesamtschule bis zur Umwandlung einer bestehenden Gesamtschule in eine Sekundarschule insgesamt – und was sind aus Ihrer Sicht die Hauptgründe für die dauerhaft niedrige Anmeldezahlen an der JKG?
- Wird es mit der maximal dreizügigen Sekundarschule und den geplanten Erweiterungsbauten an anderen Schulen dauerhaft genug Schulplätze für die prognostizierten Schüler:innenzahlen geben?
- Sollte die Gesetzesänderung durch das 19. Schulrechtsänderungsgesetz abgewartet werden, um ggf. die JKG in der jetzigen Form zu erhalten? Und inwiefern bestünde zum jetzigen Zeitpunkt bzw. nach dieser Gesetzesänderung überhaupt noch eine Möglichkeit, die aktuelle Entscheidung ggf. rückgängig zu machen?
- Abschließend würde uns noch interessieren, welche Perspektive Sie für eine Sekundarschule mit neuen Namen am gleichen Standort sehen und welche Erwartungen Sie mit den aktuell beschlossenen Änderungen verbinden?
Wir haben Antworten erhalten von der Verwaltung in Form einer gemeinsamen Stellungnahme der Dezernentin und der Fachbereichsleiterin und – in der Reihenfolge der Größe der Ratsfraktionen – von der SPD, der CDU, der AfD, von der Fraktion aus Grünen und ÖDP und von den Linken. DKP, die Partei für Tierschutz und FDP haben leider nicht geantwortet.
Die Antworten haben wir für dieses Video gekürzt. Wer eine sinnentstellende oder selektive Wiedergabe der Inhalte befürchtet, findet die Antworten im Volltext in dem begleitenden Artikel auf unserer Webseite unter zukunft-bottrop.de > Videos > Zukunft Bottrop fragt…
So viel zur Vorrede, schauen wir uns die Antworten an:
Frage 1: Beurteilung des Prozesses und der Anmeldezahlen
Der verschlungene Prozess, der ursprünglich die Gründung und Errichtung einer dritten Gesamtschule vorsah und mit der Umwandlung der JKG nun mit nur einer verbleibenden Gesamtschule endet, wird von der Verwaltung nicht weiter kommentiert.
Die JKG stehe aber seit vielen Jahren aufgrund zu geringer Anmeldezahlen sowohl in der Sek. I als auch in der Oberstufe, also in der Sek. II, unter Beobachtung, da sie bereits seit 2005 in beiden Bereichen die schulrechtlich geforderten Mindestgrößen regelmäßig nicht erreiche. Das bestehende Schulprofil werde nicht in ausreichendem Umfang durch die Eltern in Bottrop angenommen, denen aber gemäß § 11 (6) Schulgesetz NRW die Entscheidung über die Schulform der Kinder obliege.
Die Sozialdezernentin und die Fachbereichsleiterin stellen das engagierte Kollegium der JKG, ein überzeugendes pädagogisches Konzept, hohe fachliche Qualität und umfangreiche schulische Entwicklungsmaßnahmen heraus und bedauern, dass dieses Profil, die wahrgenommene Qualität und ggf. weitere Faktoren offenbar nicht den Erwartungen vieler Eltern entsprochen hätten.
Die SPD verweist bzgl. des mehrjährigen Prozesses auf die Schulentwicklungsplanung und auf ihre Unterstützung für die dritte Gesamtschule, aber auch auf die sich in den drei Jahren geänderten Voraussetzungen, im Speziellen auf die 2025 von der Bezirksregierung angemahnten Handlungsnotwendigkeiten, auf die die Politik hätte reagieren müssen.
Über die Gründe für die geringen Anmeldezahlen lasse sich nur mutmaßen. Die aktuellen Baumaßnahmen seien aber nicht der Hauptgrund, schließlich seien auch vor den Umbaumaßnahmen bereits zu geringe Anmeldezahlen an der JKG auffällig gewesen. In dem Mix aus Gründen spiele eventuell auch die negative Berichterstattung über die JKG eine Rolle, die auch von der herausgestellten überzeugenden Arbeit der Schulgemeinschaft leider nicht hätte kompensiert werden können.
Die CDU hat leider nicht explizit auf die einzelnen Fragen geantwortet, sondern eine mehrseitige Gesamtstellungnahme zur Schulentwicklungsplanung formuliert, aus der ich versuche, die wichtigsten Passagen je Frage heraus zu destillieren. Bzgl. des mehrjährigen Prozesses verweist die CDU auf ihre Bemühungen um tragfähige Kompromisse im Rat und den gemeinsam mit SPD, Grünen, FDP und ÖDP gefundenen Schulkompromiss, auch wenn sich Grüne und ÖDP inzwischen von diesem distanzierten. Außerdem dürfe der besonders wichtige Maßstab des Eltern- und Schülerwillens nicht durch politische Wunschvorstellungen ersetzt werden: Wenn eine Gesamtschule nicht die präferierte Schulform ist, sei Schulpolitik aufgefordert, entspr. Angebote zu schaffen, die auch angenommen würden.
Mutmaßungen über Gründe für die geringen Anmeldezahlen stellt die CDU nicht an, verweist aber neben den problematischen Zahlen für die 5. Klassen auch auf die niedrigen Anzahl von Schüler:innen in der Oberstufe. Die CDU bedankt sich ebenfalls bei der gesamten Schulgemeinschaft für die engagierten Arbeit, die nicht der Grund für die geringen Anmeldezahlen sei.
Die AfD hätte während der Schulentwicklungsplanung der dritten Gesamtschule positiv gegenübergestanden, bezeichnet die Planung vor dem Hintergrund der niedrigen Anmeldezahlen allerdings als eventuell “etwas unglücklich”. Man fragt sich allerdings, warum man überhaupt jahrelang an einem Schulentwicklungsplan arbeite, wenn dieser recht schnell wieder über den Haufen geworfen werde.
Bzgl. der Anmeldezahlen falle auf, dass die Bottroper Eltern scheinbar Schulstandorte im Norden der Stadt denen an südlichen Standorten vorzögen. Denn es sei auffällig, dass sowohl die Hauptschule Welheim als auch die JKG diejenigen Schulstandorte seien, die aufgrund von niedrigen Anmeldezahlen von Schließung bzw. Umwandlung betroffen wären. Für die JKG verweist die AfD auf die im Jahr 2018 beschlossenen Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung des Standortes, die bis heute leider nicht abgeschlossen seien. Dass nun kurz vor der Fertigstellung das ganze Konzept über den Haufen geworfen würde, wird als “fahrlässig” bezeichnet.
Grüne/ÖDP würden seit jeher die Steigerung integrativer Schulmodelle verfolgen und hätten deshalb die Planung für eine dritte Gesamtschule ebenfalls unterstützt. Aber in der Standortdiskussion hätte sich vor allem die CDU auf den Standort im Bottroper Süden versteift und den Elternwillen nicht angemessen gelten lassen. Daraufhin wäre “quasi die Bezirksregierung ‘eingeschaltet’ worden”, die dann auch festgestellt habe, dass eine Neugründung einer dritten bei gleichzeitiger Unterbelegung einer bestehenden Gesamtschule schwer darzustellen sei. In diesem Zuge habe man schweren Herzens den sog. Schulkompromiss – also Umwandlung der JKG und Stopp der dritten Gesamtschule – zugestimmt.
Im weiteren Verlauf hätte sich allerdings herauskristallisiert, dass der Schwerpunkt der Schulpolitik darauf lag, den Mehrbedarf an Schulplätzen durch Mehrklassenbildung und Zügigkeitserweiterungen an Realschulen und Gymnasien zu decken, was der Auffassung der Fraktion Grüne/ÖDP zutiefst widerspräche: Nur gemeinsames Lernen an integrativen Schulformen könne Chancengleichheit und letztlich eine integrative Gesellschaft hervorbringen.
Die Anmeldezahlen seien auf ein “unglückliches Nebeneinander” von dreigliedrigem Schulsystem einerseits und integrativen Formaten andererseits zurückzuführen, wodurch es auch in Kombination mit der Schließung der Hauptschule zu einer Ballung von Herausforderungen – genannt werden Inklusion und Integration – an der Schulform Gesamtschule gekommen wäre. Die geringen Anmeldezahlen stünden im Gegensatz zur hohen Qualität und zum Engagement der Schulgemeinschaft.
Die Linke identifiziert die Entwicklung der letzten Jahre als klaren politischen Fehlkurs. Die ursprüngliche Erkenntnis, dass Bottrop aufgrund steigender Schüler:innenzahlen und der Nachfrage nach längerem gemeinsamem Lernen mehr Gesamtschulplätze benötige, sei die richtige gewesen, und der Schulkompromiss einer “ganz großen Koalition” im Rat sei für die Linke absolut nicht nachvollziehbar und entspreche einer Abwertung der JKG.
Die niedrigen Anmeldezahlen seien weder ein Zeichen dafür, dass die Schulform Gesamtschule nicht gebraucht würde, noch ein Nachweis für schlechte pädagogische Arbeit. Vielmehr sei an der JKG seit Jahren hervorragende Arbeit geleistet worden – für Kinder, die anderswo im Schulsystem nicht dieselbe Förderung hätten bekommen können. Die eigentlichen Ursachen lägen in den nicht abgeschlossenen Bauarbeiten, an einem unattraktiven Schulhof, Lärm, Einschränkungen im Schulalltag und nicht nutzbaren Fachräumen, wodurch viele Eltern verunsichert worden seien.
Frage 2: Zukünftige Anzahl von Schulplätzen
Laut Verwaltung sei die angestrebte Umwandlung der JKG in eine Sekundarschule nur ein Teil der beschlossenen Maßnahmen aus der Schulentwicklungsplanung. In der Sitzung am 27.06.2025 habe der Schulausschuss zahlreiche weitere Maßnahmen an weiterführenden Schulen beschlossen, die in der Gesamtheit ausreichend Schulplätze für die prognostizierten Schüler:innenzahlen schaffen würden.
Kurze Erläuterung: In dem benannten Beschluss sind neben Umwandlung der JKG und Stopp der dritten Gesamtschule auch eine Zügigkeitserhöhung der Sekundarschule Kirchhellen, bauliche Voraussetzungen für die Mehrklassenbildung am Vestischen Gymnasium, eine Erhöhung der Zügigkeit der Gustav-Heinemann-Realschule, Mehrklassenbildung an der Marie-Curie-Realschule – inkl. der baulichen Voraussetzungen am gemeinsamen Standort – sowie eine Mehrklassenbildung, ggf. auch Zugigkeitserhöhung an der Willy-Brandt-Gesamtschule, auch zur Aufnahme der Abiturient:innen der ehemaligen JKG, beschlossen worden.
Auch die SPD verweist auf die Schulentwicklungsplanung. Die sehe vor, ausreichend Kapazitäten für die steigenden Schüler:innenzahlen an den bestehenden Schulen zu schaffen. Die initiale Dreizügigkeit der Sekundarschule schließe bei Bedarf eine Mehrklassenbildung oder Zügigkeitserhöhung nicht aus, und an anderen Schulen seien An- und Umbauten in Planung.
In der Antwort der CDU finden sich nur überschaubare Hinweise auf die zukünftige Versorgung mit ausreichenden Schulplätzen. Man benötige eine verlässliche Standortplanung im Gesamtkontext der Bottroper Schullandschaft. Das Ziel müsse ein stabiles, wohnortnahes und von den Familien akzeptiertes Bildungsangebot in Bottrop sein.
Die AfD spricht von einem “Paradoxon”: Der Gesamtschule würde vorgeworfen, die Vierzügigkeit nicht zu erfüllen, während man gleichzeitig eine dreizügige Sekundarschule plane. Das entspräche einem “Messen mit zweierlei Maß”. Der Punkt wird mir allerdings nicht ganz klar: Denn eine Gesamtschule muss vierzügig sein, eine Sekundarschule darf auch weniger Parallelklassen haben. Das scheint also bei zu wenigen Anmeldezahlen, die nicht für vier Parallelklassen reichen, prinzipiell erst einmal eine geeignete Maßnahme zu sein.
Insgesamt sei laut AfD aber davon auszugehen, dass die Schulplätze insgesamt ausreichen werden, denn laut den Prognosen steigen die Schüler:innenzahlen bis zum Schuljahr 30/31 und würden danach wieder sinken. Ausreichende Plätze hätten mit einer stabilisierten JKG aber ebenso sichergestellt werden können.
Grüne/ÖDP nehmen ebenfalls auf die Schüler:innenzahlen-Prognosen Bezug. Die Schulplätze dürften für die – nach einem Anstieg in den nächsten Jahren wieder sinkenden – Schüler:innenzahlen ausreichen, auch wenn eine vierzügige Gesamtschule natürlich mehr Plätze biete als eine dreizügige Sekundarschule.
In dem Zusammenhang wird außerdem kritisiert, dass der zwischenzeitlich hohe Bedarf an Schulplätzen größtenteils mit Containern gedeckt würde, was nach der Meinung von Grünen und ÖDP die qualitativ schlechteste Lösung darstelle. Der Bau einer neuen Schule statt Containerdörfern wäre strategisch sinnvoller gewesen, um in Zukunft bei sinkenden Schüler:innenzahlen denjenigen Schulraum abzuwickeln, der nicht mehr die Standards erfülle.
Die Linke hält nach wie vor daran fest, dass eine dritte Gesamtschule am Standort Welheim richtig und notwendig sei, um den Schulplatzbedarf abzudecken. Denn wenn in der einen Schule Plätze frei blieben, während an den anderen Schulen mit denselben Anschlussmöglichkeiten Kinder wegen Überfüllung in Containerprovisorien sitzen müssten, würde etwas “gehörig schieflaufen”. Statt immer neue Mehrklassen zu bilden, sollten überhängige Anmeldungen an anderen Schulen sinnvollerweise zur JKG bzw. zur neuen dritten Gesamtschule umverteilt werden. Ob und wie das mit dem vielzitierten Elternwillen einhergeht, erläutert die Linke leider nicht.
Dass die Zubauten an anderen Schulen wohl nicht vor dem Höchststand der Anmeldezahlen fertiggestellt würden, wird auch mit dem – durch das Haushaltssicherungskonzept weiter verstärkten – Personalmangel bei der Stadt in Verbindung gebracht. Dadurch würden noch mehr Kinder in Provisorien und auf oder neben Baustellen lernen müssen, während gleichzeitig das Schulgebäude der ehemaligen Hauptschule Welheim quasi leer stehe. Und nicht zuletzt sei eine Sekundarschule kein adäquater Gesamtschulersatz, da gemeinsames Lernen bis zum Abitur dort nicht möglich sei, was aber für eine Chancengerechtigkeit notwendig und nicht zuletzt als wichtiger Bestandteil einer gerechten Gesellschaft besonders wichtig sei.
Frage 3: Relevante Gesetzesänderung abwarten?
Unabhängig von der geplanten Gesetzesänderung, die eventuell die Zahl der Schüler:innen in der 7. Klasse statt die Anmeldezahlen zur 5. Klasse zur Legitimation eines Schulstandortes zugrunde legen würde, bleibe nach Aussage der Verwaltung festzustellen, dass die bestehenden strukturellen Herausforderungen der JKG auch die fehlende Tragfähigkeit der gymnasialen Oberstufe betreffen. Diese Problemlage würde auch durch die beabsichtigte Gesetzesänderung nicht aufgelöst werden können.
Die SPD ergänzt, dass nicht abzusehen sei, wann das 19. Schulrechtsänderungsgesetz beschlossen und wie es ausgelegt würde. Aber auch eine Einbeziehung der 7. Klasse würde im Falle der JKG nicht das Problem der Zahlen in der Oberstufe lösen. Daher plädiert die SPD für das Treffen verlässlicher Entscheidungen, auch wenn sie schwerfielen.
In der Antwort der CDU findet sich leider nichts zu der geplanten Gesetzesänderung.
Die AfD würde die Gesetzesänderung unbedingt abwarten wollen, ebenso wie den Abschluss der Sanierungsarbeiten. Die Entscheidung zur Umwandlung der JKG rückgängig zu machen, sei “theoretisch sicherlich recht leicht möglich”. Da SPD und CDU dafür allerdings eingestehen müssten, mit dem Umwandlungsbeschluss zu voreilig gehandelt zu haben, hält die AfD eine Kehrtwende daher für sehr unwahrscheinlich.
Auch Grüne/ÖDP würden die Gesetzesänderung unbedingt abwarten wollen. Damit wäre auch der Antrag in der Schulausschusssitzung vom 10.06.2026, den Punkt der JKG-Umwandlung von der Tagesordnung komplett zu streichen, begründet worden. Denn die Klassengröße der Jahrgangsstufe 7 der JKG seien faktisch die aussagekräftigeren, wenn es um den Fortbestand der Schule gehe. Die JKG nehme schließlich viele schulwechselnde Schüler:innen nach der Orientierungsstufe auf, vor allem nach dem Wegfall der Hauptschule Welheim.
Eine Rückumwandlung einer Sekundarschule in eine Gesamtschule sei ein rechtlich wohl möglich, aber mit hohem Aufwand verbunden – und die einmal zerschlagene Schulgemeinschaft der heutigen JKG könne ggf. nicht wiederherzustellen sein, wenn u.a. viele Lehrer:innen die Schule im Falle der Umwandlung verließen.
Auch die Linke würde die Gesetzesänderung auf jeden Fall abwarten wollen. Eine Entscheidung mit so weitreichenden Folgen dürfe nicht getroffen werden, wenn sich die rechtlichen Voraussetzungen in absehbarer Zeit wieder ändern könnten. Denn die Betrachtung vor allem der Anmeldezahlen für die 5. Klassen würde die JKG nicht vollständig abbilden. Da der Beschluss aber die sofortige Vollziehung vorsehe, sei die Entscheidung nicht mehr rückgängig zu machen, selbst wenn Jahre später noch eventuelle Kläger:innen vor Gericht Recht bekommen sollten.
Frage 4: Perspektive für die neue Sekundarschule
Die Antwort der Verwaltung zu der letzten Frage war die umfangreichste. Daher kommt sie diesmal zum Schluss, auch weil sie recht konkrete Maßnahmen beinhaltet.
Mit der Umwandlung in eine Sekundarschule gäbe es gemäß der Antwort der SPD die Chance auf einen Neuanfang mit einer neuen Schulform, einem neuen Namen und einem neuen Schulkonzept, um so hoffentlich ausreichend Schüler:innen und Eltern vom Schulstandort überzeugen zu können.
Die CDU begrüßt ausdrücklich, den Standort künftig als starkes Angebot für die Sek. I auszugestalten. Die Umwandlung eröffne die Chance, die Schule mit einem klaren Profil neu und verlässlich aufzustellen – mit einem starken, integrierten Angebot, mit längerem gemeinsamem Lernen, individueller Förderung, Ganztag, Inklusion sowie einer guten Berufs- und Studienorientierung. Die Sekundarschule Kirchhellen sei ein entspr. Positivbeispiel.
Wichtig sei eine klare Konzeptionierung und Ausrichtung, um Eltern und Schüler:innen deutlich zu machen, wofür die Schule stehe, welche pädagogischen Schwerpunkte sie setze und welche Perspektiven sich daraus ergäben. Der Umwandlungsprozess solle deshalb nicht nur verwaltungstechnisch, sondern als echte Chance zur inhaltlichen Weiterentwicklung verstanden werden. Darüber hinaus sei die Ertüchtigung der Gebäude, Fachräume und Sanitäranlagen sowie des Schulhofs ein klares Bekenntnis zu diesem Schulstandort.
Die CDU erwarte eine Unterstützung der Bezirksregierung Münster bzgl. der innerschulischen Angelegenheiten, der personellen Situation, der Übergangsgestaltung sowie der fachlichen Begleitung der Neukonzeptionierung, um die Schulgemeinschaft in dieser Phase nicht alleine zu lassen und insbesondere den Oberstufenschüler:innen die bestmöglichen Bedingungen für ihren angestrebten Abschluss zu bieten.
Die AfD ist vorsichtig optimistisch, dass die neue Sekundarschule “formal erfolgreich” sein könne. Das liege aber an den anderen gesetzlichen Rahmenbedingungen für Sekundarschulen, welche der JKG nicht vergönnt gewesen seien. Und auch das Privileg einer fertig sanierten Schule käme zukünftig der Sekundarschule und nicht der JKG zugute. Zudem würde die Verwaltung “im Hintergrund die Schülerströme in Zukunft gezielt lenken”, damit die Sekundarschule voll würde, um zu untermauern, dass die Entscheidung der Umwandlung angeblich richtig gewesen sei. Wie genau dieser Lenkungsprozess vor dem Hintergrund des ausschlaggebenden Elternwillens bzgl. der Schulform ihrer Kinder aussehen könne, wird allerdings nicht erläutert.
Grüne/ÖDP wünschen der Schule natürlich das Beste. Ein neuer Name und eine andere Schulform allein werde aber nicht für höhere Anmeldezahlen sorgen. Viel entscheidender sei, endlich die überfälligen Baumaßnahmen zu beenden und die Schule besser zu bewerben und zu unterstützen. Die durch die aktuelle Diskussion entstandene Unruhe und der Weggang vieler engagierter Lehrkräfte würden es wohl eher erschweren, die gewünschten Ziele zu erreichen.
Die Linke bekräftigt, dass die Umwandlung kein Problem löse, das für die niedrigen Anmeldezahlen ausschlaggebend sei. Wenn erst einmal alle Bauarbeiten abgeschlossen, die Schule saniert und der Schulhof aufgewertet sei, würden die Anmeldezahlen an diesem Standort wohl sicherlich steigen – unabhängig davon, ob es sich um eine Gesamt- oder eine Sekundarschule handele. Daher würde die Partei damit rechnen, dass die Umwandlung in einigen Jahren als Erfolg verkauft werden wird, ohne Evidenz dafür, dass die gestiegenen Anmeldezahlen irgendwie mit der Schulform in Verbindung stünden.
Und: Den Namen “Janusz Korczak” abzulegen – Janusz Korczak war Pädagoge, Kinderarzt und Autor jüdischer Abstammung, der die Kinder eines jüdischen Waisenhauses bei der Deportation durch die Nationalsozialisten in das Vernichtungslager Treblinka begleitete, obwohl es seinen eigenen sicheren Tod bedeutete – hält die Linke in einer Zeit, in der erstmals seit Ende der Nazi-Herrschaft wieder Rechtsextreme bei deutschen Landtagswahlen absolute Mehrheiten erreichen könnten, für einen fatalen erinnerungspolitischen Fehler.
Zum Schluss bringt die Linke erneut die Idee des PRIMUS-Schulversuchs ins Spiel, um eine langfristige Perspektive für die JKG zu schaffen.
Für die zukünftige Akzeptanz der Sekundarschule am Standort komme laut der Verwaltung der Information und Einbindung der Eltern eine ganz besondere Bedeutung zu, sie müssten als zentrale Partner im Bildungsprozess fortlaufend über Ziele, Inhalte, zeitliche Abläufe und Auswirkungen der Umwandlung informiert werden. Durch geeignete Informations- und Dialogformate könnten eine entspr. Beteiligung des Veränderungsprozesses unterstützt sowie die Identifikation mit der zukünftigen Schulform gestärkt werden.
Als Maßnahmen werden eine entspr. Projektseite mit Zeitplänen, Beschlussvorlagen, mit einer Liste von Antworten auf häufig gestellte Fragen, mit relevanten Präsentationen, Kontaktdaten von Ansprechpersonen und begleitenden Beteiligungsangeboten genannt, außerdem die Nutzung der Social Media-Kanäle der Stadt für Updates, Veranstaltungshinweise, Erklärvideos, Beteiligungsaufrufe und die Vorstellung von Zwischenergebnissen. Darüber hinaus seien Informationsveranstaltungen, Elternabende und zusätzliche Informationen auf den Veranstaltungen zum Übergang von Grund- zur weiterführenden Schule geplant.
Die Namensgebung habe eine hohe identitätsstiftende Bedeutung für die Schulgemeinschaft. Daher sollten Bürger:innen, Eltern, Schüler:innen, Lehrkräfte sowie weitere Interessierte frühzeitig im Rahmen eines transparenten Beteiligungsverfahrens in den Prozess eingebunden werden, um die Identifikation zu stärken und die Akzeptanz und öffentliche Wahrnehmung positiv zu fördern.
Schluss
Soweit es einmal die komprimierte Darstellung der Antworten, die Volltexte findet ihr wie gesagt auf unserer Website. Ich hoffe, die Videos zur Beleuchtung der Hintergründe und zur Darstellung der Standpunkte der Parteien und der Verwaltung zahlt auf unser Ziel ein, Lokalpolitik und Verwaltungshandeln zu erklären und etwas transparenter zu machen. Ich persönlich fand es interessant, den mehrjährigen Prozess aufzudröseln und dabei über immer neue Details zu stolpern.
Auch die Positionen der verschiedenen Akteure und wie diese sich im Verlauf teilweise verändert haben, wie Parteien und Verwaltung auf sich ändernde Bedingungen und ändernde Mehrheiten genauso wie auf neue Eingaben z.B. der Bezirksregierung reagierten, fand ich aufschlussreich – und ich hoffe ihr auch.
Vielen Dank fürs Zusehen und bis bald!
Anfrage und Antworten im Wortlaut
Anschreiben und Anfrage
Sehr geehrte Vertreter:innen der Bottroper Parteien,
sehr geehrte Frau Alexius-Eifert,
sehr geehrte Frau Granow-Keysers,
mit dem Beschluss des Schulausschusses vom 10.06.2026 endet ein mehrjähriger Prozess mit dem Ergebnis, die Janusz-Korczak-Gesamtschule in eine Sekundarschule umzuwandeln. In dem Zusammenhang fragen wir uns – und hiermit Sie:
- Wie beurteilen Sie den Prozess der letzten Jahre von ersten Planungen für eine dritte Gesamtschule bis zur Umwandlung einer bestehenden Gesamtschule in eine Sekundarschule insgesamt – und was sind aus Ihrer Sicht die Hauptgründe für die dauerhaft niedrigen Anmeldezahlen an der JKG?
- Wird es mit der max. dreizügigen Sekundarschule und den geplanten Erweiterungsbauten an anderen Schulen dauerhaft genug Schulplätze für die prognostizierten Schüler:innenzahlen geben?
- Sollte die Gesetzesänderung durch das 19. Schulrechtsänderungsgesetz abgewartet werden, um ggf. die JKG in der jetzigen Form zu erhalten? Inwiefern bestünde zum jetzigen Zeitpunkt bzw. nach dieser Änderung überhaupt noch eine Möglichkeit, die aktuelle Entscheidung ggf. rückgängig zu machen?
- Abschließend würde uns noch interessieren, welche Perspektive Sie für eine Sekundarschule mit neuem Namen am gleichen Standort sehen und welche Erwartungen Sie mit den aktuell beschlossenen Änderungen verbinden?
Wir würden uns über eine (gerne kurze 😉) Antwort in den nächsten 14 Tagen freuen. Wir behalten uns vor, Ihre Rückmeldungen nach Prüfung auf unseren Kanälen (Webseite & Social Media)
- im Rahmen des Videoformats “Zukunft Bottrop fragt…”, ggf. gekürzt,
- und auf der Webseite in voller Länge
zu veröffentlichen. Die Frist, bis zu der wir Ihre Antworten berücksichtigen können, ist der 26.06.2026. Für Rückfragen stehe ich jederzeit zur Verfügung.
Vielen Dank für Ihre Meinung und Rückmeldungen,
mit besten Grüßen,
Martin Smaxwil für Zukunft Bottrop
Dezernentin und Fachbereichsleiterin Schule
Zu 1: Die Janusz-Korczak-Gesamtschule (JKG) steht seit vielen Jahren, aufgrund zu geringer Anmeldezahlen im Jahrgang 5 (SEK I) aber auch der zu geringen Anzahl von Schüler*innen in der Oberstufe (SEK II), im Fokus. Bereits seit dem Jahr 2005 werden in beiden Bereichen die, durch das Schulrecht in NRW geltenden, Mindestgrößen regelmäßig nicht erreicht. Trotz eines engagierten Kollegiums, eines überzeugenden pädagogischen Konzepts und hoher fachlicher Qualität, trotz umfangreicher schulischer Entwicklungsmaßnahmen bleibt die Nachfrageentwicklung an der JKG weiterhin hinter den gesetzlichen Vorgaben zurück. Diese zeigt deutlich, dass das bestehende Schulprofil in der aktuellen Form nicht ausreichend durch die Eltern in Bottrop angenommen wird. In Nordrhein-Westfalen kommt dem Elternwillen bei der Wahl der weiterführenden Schule eine zentrale Bedeutung zu. Die Entscheidung über die Schulform liegt gemäß § 11 Abs. 6 SchulG NRW bei den Erziehungsberechtigten. Diese Gewichtung gewinnt insbesondere dort an Bedeutung, wo einzelne Schulstandorte nur gering nachgefragt werden. Ein schwacher Zuspruch kann ein Hinweis darauf sein, dass das Profil, die wahrgenommene Qualität oder andere Faktoren nicht den Erwartungen vieler Eltern entspricht. Der Elternwille fungiert hier faktisch auch als Rückmeldemechanismus für die Schulentwicklungsplanung.
Zu 2: Die angestrebte Umwandlung der JKG in eine Sekundarschule ist nur ein Teil, der beschlossenen Maßnahmen aus der Schulentwicklungsplanung. In der Sitzung am 27.06.2025 hat der Schulausschuss zahlreiche weitere Maßnahmen an weiterführenden Schulen beschlossen, die in der Gesamtheit ausreichend Schulplätze für die prognostizierten Schüler*innenzahlen schaffen.
Zu 3: Der aktuelle Entwurf des 19. Schulrechtsänderungsgesetzes sieht perspektivisch erweiterte Möglichkeiten zur Sicherung von Schulstandorten vor. Danach könnte künftig auch die Entwicklung der Schülerzahlen ab Jahrgang 7 berücksichtigt werden, sofern Schulen durch Schulformwechsler zusätzliche Schülerinnen und Schüler aufnehmen. Unabhängig davon bleibt festzustellen, dass die bestehenden strukturellen Herausforderungen der JKG neben der dauerhaft geringen Nachfrage im regulären Anmeldeverfahren der Jahrgangsstufe 5 vor allem auch die fehlende Tragfähigkeit der gymnasialen Oberstufe betreffen. Diese Problemlage würden auch durch die beabsichtigte Gesetzesänderung nicht aufgelöst.
Zu 4: Für die zukünftige Akzeptanz der Sekundarschule am Standort kommt der Information und Einbindung der Eltern besondere Bedeutung zu. Als zentrale Partner im Bildungsprozess sollen sie fortlaufend über Ziele, Inhalte, zeitliche Abläufe und Auswirkungen der Umwandlung informiert werden. Durch geeignete Informations- und Dialogformate kann eine sachliche Begleitung des Veränderungsprozesses unterstützt sowie die Identifikation mit der zukünftigen Schulform gestärkt werden.
Die Verwaltung beabsichtigt daher, den Umwandlungsprozess durch eine zielgerichtete Öffentlichkeitsarbeit sowie regelmäßige Informationsangebote für Eltern, Schülerinnen und Schüler und die interessierte Öffentlichkeit zu begleiten.
- Projektseite auf der städtischen Homepage
Eine zentrale Anlaufstelle soll eine eigenen Projektseite auf der städtischen Homepage werden. Diese soll insbesondere genutzt werden für:- Zeitpläne
- Ratsvorlagen
- FAQ
- Präsentationen
- Ansprechpersonen
- Beteiligungsangebote
- Ergebnisse der Beteiligung
- Social-Media-Kanäle der Stadt Bottrop und der Schule
Nutzung für:- kurze Updates
- Veranstaltungshinweise
- Erklärvideos
- Beteiligungsaufrufe
- Vorstellung von Zwischenergebnissen
- Informationsveranstaltungen
- Elternabende
- Übergangsveranstaltung Grundschule -> weiterführende Schule des Bildungsbüros
Der Schulname wird grundsätzlich durch den Schulträger beschlossen. Die Schule selbst wird zwar beteiligt, aber die Entscheidung liegt rechtlich bei der Kommune.Im Zuge der Umwandlung der bisherigen Gesamtschule in eine Sekundarschule soll für die neue Schulform ein neuer Schulname entwickelt werden. Die Namensgebung einer Schule besitzt eine hohe identitätsstiftende Bedeutung für die Schulgemeinschaft sowie für die Öffentlichkeit. Durch ein transparentes Beteiligungsverfahren sollen Bürgerinnen und Bürger, Eltern, Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte sowie weitere Interessierte frühzeitig in den Prozess eingebunden werden.
Ziel ist es, die Identifikation mit der zukünftigen Schule zu stärken, Akzeptanz und öffentliche Wahrnehmung positiv zu fördern, einen demokratischen und nachvollziehbaren Entscheidungsprozess sicherzustellen.
Durch die Teilnahme der SchülerInnen und Elternschaft der JKG u.a. an den Schulausschusssitzungen ist das starke Engagement noch einmal sehr deutlich geworden. Die Schulverwaltung ist bereits in der Vergangenheit mit Vertreter*innen der Schülervertretung und der Elternpflegschaft aktiv ins Gespräch gegangen, um über die Herausforderungen, notwendige Beratung und Lösungsansätze zu sprechen. Es ist erklärtes Ziel der Verwaltung den Prozess auch weiterhin mit solchen Angebote zu begleiten.
SPD
Zu 1: Der Prozess wurde durch den Schulentwicklungsplan angestoßen. Die SPD hat den Bau einer dritten Gesamtschule unterstützt und vorangetrieben, doch die Voraussetzungen haben sich im Laufe der fast 3 Jahre geändert. Im Jahr 2025 hat die Bezirksregierung Münster klare Handlungsoptionen für den Umgang mit den dauerhaft geringen Schülerzahlen an der JKG vorgelegt. Darauf musste die Politik reagieren.
Über die Gründe für die schlechten Anmeldezahlen lässt sich nur mutmaßen. Dabei nur auf die aktuellen Baumaßnahmen abzustellen, lässt außen vor, dass die JKG auch bereits vor dem Beginn der aktuellen Umbaumaßnahmen ein Problem mit zu geringen Anmeldezahlen hatte. Schlussendlich wird ein Mix aus Faktoren, dazu zählte in der Vergangenheit möglicherweise auch eine schlechte Berichterstattung über die Schule, dazu führen, dass eine größere Akzeptanz der Bottroper Eltern nicht gegeben ist und das, obwohl die Schulgemeinschaft der JKG heute überzeugende Arbeit leistet.
Zu 2: Die Schulentwicklungsplanung sieht vor, ausreichend Kapazitäten für die steigenden Schülerzahlen an den bestehenden Schulen zu schaffen. Der Start einer Sekundarschule erfordert eine 3-Zügigkeit. Eine Mehrklassenbildung oder sogar eine Zügigkeitserhöhung ist nicht ausgeschlossen. Der Platz am Standort ist vorhanden. Die An- und Umbauten an den anderen Schulen sind in Planung und finden statt.
Zu 3: Wir stehen dafür, dass die Schülerinnen und Schüler, die aktuell die JKG besuchen, endlich Gewissheit haben.
Wann das 19. Schulrechtsänderungsgesetz beschlossen wird und wie es ausgelegt wird, können wir aktuell nicht sagen. Auch eine Einbeziehung der 7. Klasse würde im Falle der JKG nicht das Problem der Zahlen in der Oberstufe lösen. Daher sind wir der Meinung, dass Politik nicht immer nur abwarten kann, sondern verlässliche Entscheidungen treffen muss, auch wenn Entscheidungen, wie in diesem Fall, schwerfallen.
Zu 4: Mit der Umwandlung in eine Sekundarschule gibt es die Chance auf einen Neuanfang mit einer neuen Schulform, einem neuen Namen und einem neuen Schulkonzept, um so ausreichend Schülerinnen, Schüler und Eltern vom Schulstandort überzeugen zu können.
CDU
Sehr geehrter Herr Smaxwil, sehr geehrte Damen und Herren von Zukunft Bottrop,
die CDU Bottrop bedankt sich bei der gesamten Schulgemeinschaft der Janusz-Korczak-
Gesamtschule für ihre engagierte Arbeit. Unser Dank gilt den Lehrkräften, der Schulleitung, den Mitarbeitenden, den Eltern sowie den Schülerinnen und Schülern, die den Schulstandort mit großem Einsatz prägen und weiterentwickeln. Gerade weil uns diese Arbeit wichtig ist, wollen wir den weiteren Prozess verantwortungsvoll, transparent und mit einer verlässlichen Perspektive für den Standort gestalten.
Die CDU unterstützt den Vorschlag der Schulverwaltung, die Janusz-Korczak-Gesamtschule zum Schuljahr 2028/2029 in eine dreizügige, teilintegrierte Sekundarschule umzuwandeln. Aus unserer Sicht ist dieser Schritt sachgerecht, weil er die tatsächliche Entwicklung der Nachfrage aufgreift, den Standort an der Horster Straße langfristig stabilisiert und zugleich ein integriertes Schulangebot in Bottrop erhält.
Für die CDU ist dabei zentral, dass Schulentwicklung nicht isoliert für einzelne Standorte betrachtet werden darf. Wir brauchen eine verlässliche Standortplanung im Gesamtkontext der Bottroper Schullandschaft. Dazu gehören die Gesamtschulen, Realschulen, Gymnasien, Sekundarschulen ebenso wie das Berufskolleg Bottrop mit seinen vielfältigen Bildungsangeboten und Abschlussmöglichkeiten. Gerade das Berufskolleg spielt für viele Bildungsbiografien eine wichtige Rolle – etwa beim Erwerb höherwertiger Schulabschlüsse, bei beruflicher Orientierung oder beim Übergang in Ausbildung und Studium. Eine moderne Schulentwicklungsplanung muss diese Wege zusammendenken.
Die CDU-Fraktion im Rat der Stadt hat sich in vielen Beratungen immer um einen tragfähigen Kompromiss bemüht. Sie hat gemeinsam mit SPD, Grünen, FDP und ÖDP einen Schulkompromiss gefunden, der die Schulentwicklung in Bottrop in Gänze in den Blick nimmt. Auch wenn sich Grüne und ÖDP inzwischen von diesem Kompromiss verabschieden, steht die CDU weiterhin hinter diesem demokratisch gefundenen Weg. Für uns bleibt entscheidend, dass Schulpolitik verlässlich, planbar und an den tatsächlichen Bedarfen der Familien orientiert ist.
Ein besonders wichtiger Maßstab ist für uns der Eltern- und Schülerwille. Eltern kennen ihre Kinder, ihre Stärken, ihre Entwicklungsmöglichkeiten und ihre Bedürfnisse. Deshalb erkennen wir ausdrücklich an, dass Eltern gemeinsam mit ihren Kindern die geeignete Schulform wählen. Dieser Wille darf nicht durch politische Wunschvorstellungen ersetzt werden. Schulpolitik muss Angebote schaffen, die angenommen werden, statt Familien durch Steuerung oder Druck in bestimmte Strukturen zu lenken. Dass der Schulträger in diesem Jahr erneut durch Mehrklassen und flexible Kapazitätsentscheidungen vielen Schülerinnen und Schülern den Übergang in die gewünschte Schulform ermöglichen konnte, bewerten wir positiv.
Die Entwicklung an der Janusz-Korczak-Gesamtschule zeigt zugleich, warum eine Neuaufstellung notwendig ist. Die Anmeldezahlen für den Jahrgang 5 waren in der Historie der Schule immer wieder schwankend. Für eine verlässliche Gesamtschulstruktur ist eine stabile Nachfrage jedoch entscheidend. Wenn Eingangszahlen stark schwanken oder nur durch spätere Zugänge und Umverteilungen stabilisiert werden können, erschwert dies eine langfristige Planung – sowohl für den Schulträger als auch für die Schule selbst.
Für die CDU ist darüber hinaus insbesondere die niedrige Anzahl an Schülerinnen und Schülern in der Oberstufe ausschlaggebend. Eine gymnasiale Oberstufe braucht eine ausreichende Größe, um ein verlässliches Kursangebot, Wahlmöglichkeiten und gute organisatorische Rahmenbedingungen sicherzustellen. Wenn diese Tragfähigkeit dauerhaft nicht gegeben ist, ist es verantwortungsvoller, den Standort künftig klar als starkes Angebot der Sekundarstufe I auszurichten.
Genau diesen Weg sehen wir mit der geplanten Sekundarschule. Die Umwandlung bedeutet aus unserer Sicht ausdrücklich keinen Rückzug aus dem Standort. Im Gegenteil: Sie eröffnet die Chance, die Schule mit einem klaren Profil neu und verlässlich aufzustellen. Die Sekundarschule kann ein starkes integriertes Angebot mit längerem gemeinsamen Lernen, individueller Förderung, Ganztag, Inklusion sowie einer guten Berufs- und Studienorientierung bieten. Die Sekundarschule Kirchhellen zeigt bereits, dass diese Schulform in Bottrop etabliert ist und angenommen werden kann.
Wichtig ist für uns, dass die neue Sekundarschule eine klare Konzeptionierung und Ausrichtung erhält. Eltern, Schülerinnen und Schüler müssen verständlich erkennen können, wofür die Schule steht, welche pädagogischen Schwerpunkte sie setzt und welche Perspektiven sich daraus ergeben. Dazu gehören aus unserer Sicht eine starke Förderung in der Sekundarstufe I, eine frühzeitige berufliche Orientierung, verbindliche Kooperationen ein pädagogisches Profil, das zur Schulgemeinschaft und zum Standort passt. Der Umwandlungsprozess sollte deshalb nicht nur verwaltungstechnisch verstanden werden, sondern als echte Chance zur inhaltlichen Weiterentwicklung.
Darüber hinaus wird der Schulhof ab 2027 für rund 1,97 Mio. Euro ertüchtigt. Das ist ein klares Bekenntnis zu diesem Schulstandort. Sämtliche Sanierungsmaßnahmen an und in den Gebäuden sollen bis Ende 2026 abgeschlossen sein. Hierzu zählt auch die Ertüchtigung der naturwissenschaftlichen Fachräume als auch Sanitäranlagen.
Verlässliche Bildungsstrukturen sind für die CDU das entscheidende Ziel. Wir wollen Bildungsbiografien in Bottrop bedarfsgerecht begleiten – aus KITA, vom Übergang aus der Grundschule über die Sekundarstufe I bis hin zu Schulabschlüssen, beruflicher Qualifizierung, Ausbildung, Studium oder Abitur. Dafür braucht es klare Zuständigkeiten, stabile Standorte und abgestimmte Übergänge. Die Kooperationen mit der Willy-Brandt-Gesamtschule und dem Berufskolleg Bottrop sind dabei von besonderer Bedeutung, damit Schülerinnen und Schüler auch ohne eigene Oberstufe am Standort sichere Wege in die Sekundarstufe II haben.
Wir gehen davon aus, dass die Bezirksregierung Münster die zugesagte Unterstützung im weiteren Prozess einbringt. Dies betrifft insbesondere die innerschulischen Angelegenheiten, die personelle Situation, die Übergangsgestaltung sowie die fachliche Begleitung der Konzeptionierung. Für uns ist wichtig, dass die Schulgemeinschaft in dieser Phase nicht allein gelassen wird und dass insbesondere die Schülerinnen und Schüler, die sich bereits in der Oberstufe befinden, die bestmöglichen Bedingungen für ihren angestrebten Abschluss erhalten.
Die CDU wird den weiteren Prozess konstruktiv begleiten. Unser Ziel ist ein stabiles, wohnortnahes und von den Familien akzeptiertes Bildungsangebot in Bottrop. Die Umwandlung der Janusz-Korczak-Gesamtschule in eine Sekundarschule ist aus unserer Sicht ein verantwortungsvoller Schritt, um den Standort zu sichern, den Eltern- und Schülerwillen ernst zu nehmen und die Bottroper Schullandschaft insgesamt verlässlich weiterzuentwickeln.
Mit freundlichen Grüßen
AfD
Zu 1: Bei der Erstellung des Schulentwicklungsplans standen wir der Planung, eine dritte Gesamtschule in Bottrop zu eröffnen, positiv gegenüber. Dass diese Planung aufgrund der Anmeldezahlen der Janusz-Korczak-Gesamtschule im Nachhinein vielleicht etwas unglücklich war, mag sein. Nun allerdings von der Planung dreier Gesamtschulen auf nur noch eine verbleibende Gesamtschule im Stadtgebiet abzustufen, lässt uns fragen, warum man überhaupt jahrelang an einem Schulentwicklungsplan sitzt, wenn dieser so schnell wieder über den Haufen geworfen wird.
Bei den Anmeldezahlen fällt auf, dass die Bottroper Eltern scheinbar allgemein eher Schulstandorte im Norden bevorzugen als an südlichen Standorten. Zumindest ist es auffällig, dass erst die Hauptschule Welheim und nun die Janusz-Korczak-Gesamtschule diejenigen sind, die aufgrund von niedrigen Anmeldezahlen nun von radikalen Maßnahmen (Schließung bzw. Umwandlung) betroffen sind. Bei der Janusz-Korczak-Gesamtschule fällt allerdings auf, dass die im Jahre 2018 beschlossenen Maßnahmen zur Attraktivitäts- steigerung des Standortes bis heute nicht abgeschlossen sind und die Schule seit Jahren einer Baustelle gleicht. Nun, kurz vor der lang ersehnten Fertigstellung das ganze Konzept über den Haufen zu werfen – gerade wo zudem eine Änderung im Schulrechtsänderungs- gesetz bevorsteht, die der Schule deutlich in die Karten gespielt hätte -, halten wir für fahrlässig.
Zu 2: Das ist eigentlich das nächste Paradoxon. Der Gesamtschule wird vorgeworfen, die Vierzügigkeit nicht zu erfüllen, während man gleichzeitig eine dreizügige Sekundarschule plant. Warum misst man hier mit zweierlei Maß? Laut den Prognosen steigen die Schülerzahlen bis zum Schuljahr 2030/31 an und sinken danach wieder. Die Plätze werden also reichen – das wäre mit einer stabilisierten Janusz-Korczak-Gesamtschule aber ebenso der Fall gewesen.
Zu 3: Unbedingt sollte das abgewartet werden, das haben wir auch immer wieder betont. Ebenso verhält es sich mit dem Abschluss der Renovierungsarbeiten. Die Entscheidung rückgängig zu machen, ist theoretisch sicherlich recht leicht möglich. Da die SPD mit ihrer Dezernentin und die CDU dafür allerdings eingestehen müssten, mit dem Umwandlungsbeschluss zu voreilig gehandelt zu haben, halten wir eine Kehrtwende für sehr unwahrscheinlich.
Zu 4: Wir denken schon, dass die neue Sekundarschule formal erfolgreich sein kann. Das liegt dann aber an den weicheren gesetzlichen Rahmenbedingungen, in deren Genuss die Janusz-Korczak-Gesamtschule nie kommen durfte. Das Privileg einer fertig sanierten Schule kommt nun der Sekundarschule zugute. Zudem wird die Verwaltung im Hintergrund die Schülerströme gezielt lenken, damit die Sekundarschule voll wird – rein um politisch zu untermauern, dass die Entscheidung der Umwandlung angeblich richtig war.
B90/Grüne/ÖDP
Zu 1: Wir verfolgen seit jeher das Ziel einer Steigerung der integrativen Beschulung und waren deshalb von Anfang an für eine dritte Gesamtschule bei anwachsender Schülerzahl. Daher freute uns der zunächst gefasste gemeinsame Beschluss sehr, jedoch stellte sich heraus, dass die CDU sich eine solche offenbar nur im Bottroper Süden vorstellen konnte und den Elternwillen, der für eine Gründung in der Stadtmitte sprach, so nicht teilen konnte. Daraufhin wurde quasi die Bezirksregierung „eingeschaltet“, die dann auch feststellte, dass eine Neugründung einer dritten bei gleichzeitiger Unterbelegung der zweiten Gesamtschule schwer darzustellen sei.
Um also eine neue Gesamtschule zu bekommen, waren wir zunächst schweren Herzens bereit, einer Umwandlung der JKG zuzustimmen, mussten aber erkennen, dass nun bei einer Mehrheit gar keine Bereitschaft zur Schaffung einer solchen mehr vorhanden war und es nun im Gegenteil darum ging, den Mehrbedarf durch Mehrklassenbildung an Realschulen und Gymnasien zu decken. Dies aber widerspricht zutiefst unserer Auffassung, dass nur ein gemeinsames Lernen Chancengleichheit und letztlich eine integrative Gesellschaft hervorbringt.
Was die Anwahl der JKG anbelangt, ist zunächst wichtig zu sagen, woran es nicht liegt, nämlich an der hohen Qualität und dem Engagement der Lehrerinnen und Lehrer. Stattdessen ist es so, dass das unglücklicher Nebeneinander von dreigliedrigem Schulsystem einerseits und integrativen Formen andererseits in den vergangenen Jahren mehr und mehr zu einer Ballung von Herausforderungen der Inklusion und Integration an der Schulform Gesamtschule verursacht hat. Dies führte dann bei Eltern irgendwann nicht mehr zu dem Gedanken: „Wow, was die alles schaffen“, sondern zu dem Gefühl: „Da gibt es so viele Problemfelder, ob es da meinem Kind gutgeht?“. Dies, eine zu geringe Unterstützung der Schulform und die daraus resultierende Dauerbaustelle vor Ort haben dazu geführt, dass die Anmeldezahlen der letzten Jahre so ausgefallen sind.
Zu 2: Wir wissen jetzt bereits, dass die Schülerzahlen nach einem Anstieg auch wieder sinken werden, so dass der Platzbedarf letztlich ausreichen dürfte, auch wenn eine vierzügige Gesamtschule natürlich mehr Plätze bietet als eine dreizügige Sekundarschule. Schlimmer ist in diesem Zusammenhang, dass durch die nicht realisierte Gesamtschule der zwischenzeitlich hohe Bedarf größtenteils in Containern gedeckt werden muss, was unserer Meinung nach die qualitativ schlechteste Lösung darstellt. Wir wollten den Bau einer neuen Schule statt Containerdörfern, um bei sinkenden Zahlen Schulraum abzuwickeln, der nicht mehr die Standards erfüllt.
Zu 3: Auf jeden Fall! Deshalb haben wir ja am 10.6. u.a. den Antrag gestellt, den Punkt der Umwandlung von der Tagesordnung zu nehmen. Die JKG übernimmt zum jetzigen Zeitpunkt den Löwenanteil der von den Realschulen (und Gymnasien) „abgeschulten“ Kindern. Daher sind ihre Klassengrößen in Jahrgang 7 faktisch die aussagekräftigeren, wenn es um den Fortbestand der Schule geht. Niemand weiß, wo diese Kinder sonst hinsollen, seitdem es die Hauptschule in Bottrop nicht mehr gibt. Rein rechtlich sind die integrativen Schulformen nicht verpflichtet, diese Kinder aufzunehmen, und Politik und Verwaltung drücken sich seit Jahren um dieses Problem herum, was letztlich nur durch die Schaffung eines zweigliedrigen Systems von Gesamtschulen und Gymnasien zu beheben wäre.
Eine Rückumwandlung einer Sekundarschule in eine Gesamtschule ist rein rechtlich möglich, aber mit hohem Aufwand verbunden. Außerdem ist es nicht möglich, die einmal zerschlagene Schulgemeinschaft der heutigen JKG wiederherzustellen. So werden ja wohl die meisten Lehrerinnen und Lehrer die Schule bei einer Umwandlung verlassen.
Zu 4: Wir wünschen der Schule natürlich das Beste, jedoch wird allein ein neuer Name und eine andere Schulform nicht für größere Anmeldezahlen sorgen. Hier ist es viel entscheidender, endlich die überfälligen Baumaßnahmen zu beenden und die Schule besser zu bewerben und zu unterstützen. Die durch die aktuelle Diskussion entstandene Unruhe und der Weggang vieler engagierter Lehrkräfte wird es leider eher schwerer machen, die gewünschten Ziele zu erreichen.
Die Linke
Zu 1: Aus unserer Sicht war die Entwicklung der letzten Jahre ein klarer politischer Fehlkurs. Die ursprüngliche Erkenntnis, dass Bottrop aufgrund steigender Schülerzahlen und der Nachfrage nach längerem gemeinsamen Lernen mehr Gesamtschulplätze benötigt, war richtig. Der Kompromiss einer ganz großen Koalition im Rat, stattdessen die JKG zu einer Sekundarschule abzuwerten, ist für uns absolut nicht nachvollziehbar.
Die niedrigen Anmeldezahlen der 5. Klassen der JKG sind aus unserer Sicht kein Zeichen dafür, dass die Schulform Gesamtschule nicht gebraucht wird. Sie sind auch kein Beweis für schlechte pädagogische Arbeit. Die JKG leistet seit Jahren hervorragende pädagogische Arbeit für Kinder, die anderswo im Schulsystem nicht dieselbe Förderung bekommen. Die eigentlichen Ursachen liegen vor allem bei den Problemen am Standort. Bauarbeiten, die nicht abgeschlossen sind, ein unattraktiver Schulhof, Lärm, Einschränkungen im Schulalltag und nicht nutzbare Fachräume haben viele Eltern verunsichert.
Eine Schule darf nicht für Probleme verantwortlich gemacht werden, die sie selbst nicht verursacht hat. Die richtige Antwort wäre deshalb: Bauarbeiten abschließen, den Standort stärken und die Schule unterstützen, nicht die Schulform verändern.
Zu 2: Wir halten nach wie vor daran fest, dass eine dritte Gesamtschule am Standort Welheim richtig und notwendig ist, um den Schulplatzbedarf abzudecken. Wenn in der einen Schule Plätze frei bleiben, während an anderen Schulen mit denselben Abschlussmöglichkeiten, Kinder wegen Überfüllung in Container-Provisorien sitzen müssen, dann läuft etwas schief. Statt immer neue Mehrklassen zu bilden, sollten überhängige Anmeldungen an anderen Schulen sinnvollerweise zur JKG bzw. zu einer neuen dritten Gesamtschule umverteilt werden.
Der Personalmangel bei der Stadt, der durch das HSK noch verstärkt wird, führt dazu, dass die baulichen Lösungen für die Zubauten an anderen Schulen nicht vor dem Höchststand der Anmeldzahlen der Klasse 5 fertig sein werden. Dadurch werden noch mehr Kinder in Provisorien und neben Baustellen lernen müssen, während gleichzeitig ein Schulgebäude in Welheim quasi leersteht.
Eine Sekundarschule ersetzt keine Gesamtschule. Der große Vorteil der Gesamtschule ist, dass Kinder länger gemeinsam lernen können und ihnen der Weg bis zum Abitur an derselben Schule offensteht. Gerade für die Chancengerechtigkeit ist das wichtig. Nicht jedes Kind hat zu Hause die gleichen Voraussetzungen oder Unterstützungsmöglichkeiten. Eine Schule, die verschiedene Bildungswege unter einem Dach ermöglicht, ist deshalb ein wichtiger Bestandteil einer gerechten Gesellschaft.
Es wird weiterhin eine Nachfrage nach Gesamtschulplätzen bestehen. Deswegen ist es keine nachhaltige Lösung, diese Plätze abzubauen und darauf zu hoffen, dass andere Schulen den Bedarf auffangen.
Zu 3: Auf jeden Fall. Aus unserer Sicht muss die Änderung des Schulrechts abgewartet werden. Eine Entscheidung mit so weitreichenden Folgen darf nicht getroffen werden, wenn sich die rechtlichen Voraussetzungen in kurzer Zeit wieder ändern könnten.
Die derzeitige Bewertung der JKG betrachtet vor allem die Anmeldezahlen in Klasse 5. Genau hier liegt das Problem: Die Schule wird nicht vollständig abgebildet, da viele Schülerinnen und Schüler erst später durch Schulformwechsel ab Jahrgang 7, an die JKG kommen. Wenn künftig auch genau das berücksichtigt werden kann, wird die JKG die Voraussetzungen für ihren Fortbestand erfüllen.
Da der Beschluss auch noch die sofortige Vollziehung vorsieht, ist die Entscheidung nicht mehr rückgängig zu machen, selbst wenn Jahre später noch Kläger vor Gericht Recht bekommen. Die bisherigen Gesamtschüler*innen sind dann schon zu Sekundarschüler*innen geworden, das Personal wird die Schule bereits verlassen haben. Gerade deshalb muss das Gegenteil von sofortiger Vollziehung geschehen: Wir müssen die Gesetzesänderung abwarten!
Zu 4: Die Umwandlung löst kein Problem, das für die niedrigen Anmeldezahlen verantwortlich ist. Aber sie ist eine selbsterfüllende Prophezeiung. Denn, sind einmal alle Bauarbeiten abgeschlossen, ist die Schule saniert und der Schulhof aufgewertet, wie der Bauausschuss kürzlich beschlossen hat, dann werden die Anmeldezahlen an diesem Schulstandort wieder steigen. Dabei ist es ganz egal, ob es eine Gesamtschule oder eine Sekundarschule ist. Daher rechnen wir damit, dass die Umwandlung in einigen Jahren als Erfolg verkauft werden wird, unabhängig davon, ob die gestiegenen Anmeldezahlen überhaupt etwas mit der anderen Schulform zu tun haben.