Inhalt
- Teil 1: Die Vorgeschichte
-
Transktipt Teil 1
- 2024: Planung einer dritten Gesamtschule
- 2024: Elternbefragung und Sanierung der JKG
- 2025: "Schulorganisatorische Maßnahmen"
- 2025: Politische Debatte (und Kommunalwahlkampf)
- 2025: Schulkompromiss und Richtungsbeschluss: Absage an die dritte Gesamtschule
- 2025: Umwandlungspläne und -folgen
- 2026: Finanzen, Neu- und Erweiterungsbauten
- 2026: Geplante Gesetzesänderung
- 2026: Endgütiger Umwandlungsbeschluss
- 2026: Doch noch eine dritte Gesamtschule?
- Zusammenfassung
- Teil 2: Stellungnahmen der Parteien und der Verwaltung
Teil 1: Die Vorgeschichte
Transktipt Teil 1
Herzlich willkommen zu einer weiteren Ausgabe von “Zukunft. Bottrop fragt…”, diesmal zu einem Thema aus dem Bereich der Schulpolitik – der Umwandlung der Janusz-Korczak-Gesamtschule in eine Sekundarschule.
Und da die Vorgeschichte relativ lang und etwas verworren ist, ist das hier der erste von zwei Teilen. Hier geht es um die circa 2 1/2-jährige Vorgeschichte, im zweiten Video um die Positionen und Einschätzungen verschiedener Akteure.
Los geht’s! Es gab ja rund um die Schullandschaft im Allgemeinen und die Janusz-Korczak-Gesamtschule im Speziellen eine längere Debatte, die in den letzten Monaten und Jahren mal mehr, mal weniger hitzig geführt wurde. Das Thema eignet sich meiner Ansicht nach sowohl zur Verdeutlichung, wie politisches und Verwaltungshandeln im Spannungsfeld zwischen politischer Debatte, Bedürfnissen von Schüler:innen und Eltern, externen Bedingungen wie zum Beispiel Vorgaben der Bezirksregierung und geltenden gesetzlichen Regelungen zustande kommt.
Andererseits zeigt es aber auch, wie eine transparente Kommunikation an betroffene und oder interessierte Bürger:innen und die nachvollziehbare Erklärung von politischem und Verwaltungshandeln aufgrund hoher Dynamik und ebenso hoher Komplexität manchmal unter die Räder kommen.
Ich habe mal versucht, das Thema mithilfe öffentlicher Quellen nachzuvollziehen, vom Beginn der Planungen zum Bau einer dritten Gesamtschule neben Willy Brandt (WBG) und Janusz Korczak (JKG) bis zum Planungsstopp für diese dritte Gesamtschule und der Umwandlung der JKG in eine Sekundarschule, also am Ende nur noch einer Bottroper Gesamtschule.
Dafür müssen wir mindestens zurück ins Jahr 2024:
2024: Planung einer dritten Gesamtschule
Anfang 2024 wurde unter anderem auf Basis der Schulentwicklungsplanung und aufgrund des erwarteten Anstiegs der Schülerzahlen beschlossen, eine dritte Gesamtschule in Bottrop zu eröffnen. Die ersten relevanten Beschlussvorlagen, Abstimmungsergebnisse und Niederschriften der entsprechenden Sitzungen, die man finden kann, sind vom 28.05.2024. Da wurde im Schulausschuss einstimmig beschlossen, eine dritte Gesamtschule zu errichten und auch das Vorgehen skizziert, eine Befragung der Eltern durchzuführen und anhand einer Bewertungsmatrix Elternwille, Kosten, Erreichbarkeit und weitere Faktoren zu vergleichen.
In darauf basierenden folgenden Beschlussvorlagen wird regelmäßig auch auf die Sitzung vom 14.03.2024 Bezug genommen, in der die Verwaltung durch den Schulausschuss beauftragt wurde, die erforderlichen Maßnahmen zur Gründung und Errichtung einer weiteren Gesamtschule zu prüfen. Das scheint aber in einem nicht-öffentlichen Teil passiert zu sein. Zumindest findet man dazu weder in den Tagesordnungen noch in den Niederschriften der Schulausschusssitzungen einen Hinweis.
Die Idee wurde zu diesem Zeitpunkt aber gemäß Presseberichterstattung von mehreren Parteien unterstützt und hatte im Schulausschuss wohl auch eine entsprechende parteiübergreifende Mehrheit. Zu Beginn wurde politisch noch der Standort an der auslaufenden Hauptschule Welheim im Bottroper Süden favorisiert, um eine zu starke Konzentration weiterführender Schulen in Stadtmitte zu vermeiden und den Bottroper Süden bildungspolitisch nicht “abzuhängen”. Alternativ waren der Sportplatz an der Passstraße und – das von mir zum Beispiel neu – der Droste-Hülshoff-Platz, also der Standort des stillgelegten Saalbaus, im Gespräch und wurden auf ihre Eignung als neuer Schulstandort überprüft.
2024: Elternbefragung und Sanierung der JKG
Um die neue Gesamtschule nicht an den Wünschen der Eltern der zukünftigen Schülerinnen und Schüler vorbei zu planen und auch um gleichzeitig die Nachfrage nach einer weiteren Gesamtschule zu erheben, wurde Ende 2024 die geplante Elternbefragung unter Eltern von Erst- und Zweitklässler:innen zu Anmelde und Standortpräferenzen durchgeführt.
Der sogenannte Elternwille ist bei anstehenden Schulneugründungen gemäß §78 (5) Schulgesetz NRW (SchG) zu berücksichtigen. Daneben steht im Runderlass 10-02 Nr. 9 zur “Bereinigten Amtlichen Sammlung von Schulvorschriften NRW” – kurz BASS – dass eine Schule nur dort errichtet werden kann, wo auch “erwartet werden kann, dass das Elternwahlverhalten die Errichtung und Fortführung einer Schule in der gesetzlichen Regelform (Mindestzügigkeit gemäß §10 a Schulverwaltungsgesetz (SchVG)) dauerhaft gewährleistet.” Also kurz: Neue Schulen nur dort, wo Schulform und Standort ausreichende Anmeldungen erwarten lassen.
Der genannte §10 a des SchVG NRW legt in Abs. 1 die Mindestzügigkeit für Gesamtschulen auf in der Regel vier Parallelklassen fest. Das wird gegebenenfalls im Folgenden noch wichtig.
Bis zum Zeitpunkt der Elternbefragung im Herbst 2024 war der Standort Droste-Hülshoff-Platz übrigens aufgrund der begrenzten Flächen bereits wieder vom Tisch. Die Begründung hierfür habe ich ausschließlich in einer Niederschrift zum Schulausschuss im Mai 2024 (S. 9) gefunden, in den Ausführungen der Dezernentin Alexius-Eifert auf eine Nachfrage eines Ausschussmitglieds: Die “Saalbaufläche” sei aufgrund von Lage, Platzbegrenzung und erwarteten Kosten im Rahmen der initialen Standortprüfung direkt ausgeschlossen worden und stehe in der Elternbefragung daher auch nicht mehr zur Auswahl.
Also wurden die Eltern in dem Fragebogen kaskadierend erst nach der gewünschten Schulform der weiterführenden Schule für ihre Kinder gefragt, danach – wenn “Gesamtschule” ausgewählt wurde – nach dem gewünschten Standort, wahlweise entweder an den bestehenden Gesamtschulen JKG bzw. WBG oder dem neuen Standort und wiederum danach – wenn “neuer Standort” ausgewählt wurde – nach der Präferenz für Paßstraße oder Welheimer Straße.
Der Rücklauf und die Repräsentativität der Antworten der Elternbefragung war insgesamt geringer als erwünscht. Die Eltern von Erst- und Zweitklässlern sprachen sich allerdings in der Tendenz eher für den Standort an der Paßstraße aus. Die Annahme, dass die für eine dritte Gesamtschule mindestens notwendigen 108 Anmeldungen für vier Parallelklassen zum Schuljahr 27/28 zusammenkommen würden, also die Voraussetzungen gemäß Schulverwaltungsgesetz erfüllt würden, basiert daher auf einer extrapolierten Hochrechnung aus den recht bescheidenen Daten, da jeweils zu wenige Eltern die Kombination aus “Kind soll auf einer Gesamtschule” + “am neuen Standort” + “Wir bevorzugen Paßstraße bzw. Welheim” angegeben hatten.
Bis hierhin verlief also alles einigermaßen harmonisch. Die JKG sollte saniert werden und bestehen bleiben und eine dritte Gesamtschule sollte an der Paßstraße gebaut und eröffnet werden. Der Prozess bis hierhin wurde aber auch durch mehrere Gespräche des Fachbereichs Schule mit der zuständigen Bezirksregierung Münster flankiert, die neben der generellen Billigung der Planung einer dritten Gesamtschule allerdings parallel auch die geringen Anmeldezahlen der JKG regelmäßig und seit mehreren Jahren kritisierte.
Die Gründung einer dritten Gesamtschule stand seitens der Bezirksregierung Münster daher wohl unter einem gewissen Vorbehalt, dass die Anmeldezahlen an der JKG grundsätzlich steigen müssten, um eine dritte Gesamtschule zu rechtfertigen. Denn eine dritte Gesamtschule zu eröffnen, ohne dass die beiden bereits bestehenden Gesamtschulen ausgelastet sind, scheint tatsächlich etwas kontraintuitiv.
2025: "Schulorganisatorische Maßnahmen"
Die Anmeldezahlen der JKG waren daher regelmäßig in Sitzungen des Schulausschusses Thema, unter anderem auch im Frühjahr 2025. Diese lagen für das damals anstehende Schuljahr 25/26 bei lediglich 45 Erstanmeldungen. Damit können nur zwei Parallelklassen an der ursprünglich als bis zu sechszügig konzipierten Gesamtschule gebildet werden. Daher sei die Verwaltung seitens der Bezirksregierung zu “schulorganisatorischen Maßnahmen” aufgefordert worden.
Die Bezirksregierung Münster skizzierte dazu vier Optionen:
- Eine Errichtung von Schuleinzugsbereichen, um mehr Schülerinnen und Schüler der JKG zuordnen zu können,
- eine vorübergehende Begrenzung der Zügigkeit an der WBG, um mehr Schülerinnen und Schüler an die JKG umverteilen zu können,
- eine Fusion der JKG mit der WBG und eine Weiterführung der JKG als Teilstandort der WBG, sowie
- eine Umwandlung der Schule in eine Sekundarschule.
2025: Politische Debatte (und Kommunalwahlkampf)
Die Diskussion wurde nicht nur verwaltungsseitig, sondern auch politisch geführt: CDU und FDP stellten bereits Anfang 2025 öffentlich den Beschluss für die dritte Gesamtschule und auch die Ergebnisse der Elternbefragung in Frage. Vielleicht handele es sich dabei aber auch lediglich um durch den Kommunalwahlkampf 2025 angeregte Scharmützel, wie der damalige SPD-Fraktionsvorsitzende und jetzige Oberbürgermeister Matthias Buschfeld sich sinngemäß in der Presse zitieren ließ.
Was davon schlussendlich ausschlaggebend war – die politischen Zweifel an dem Beschluss und den Befragungsergebnisse oder die der Verwaltung von der Bezirksregierung auferlegten schulorganisatorischen Maßnahmen – ist am Ende irrelevant. Auf jeden Fall prüfte die Verwaltung in der Folge die möglichen Optionen der Bezirksregierung zum Umgang mit der JKG, verwarf die ersten drei der oben genannten Optionen (also Schuleinzugsbereiche, Deckelung der WBG-Schüler:innenzahl und Fusion mit der WBG) und entwickelte den Plan einer Umwandlung der JKG in eine Sekundarschule.
2025: Schulkompromiss und Richtungsbeschluss: Absage an die dritte Gesamtschule
Da die parallele Planung einer dritten Gesamtschule bei gleichzeitiger Umwandlung einer bestehenden Gesamtschule nicht nur grundsätzlich etwas widersprüchlich, sondern auch zeitgleich planungstechnisch nicht oder kaum machbar sei, kam es bereits Ende März zu dem parteiübergreifenden sog. “Schulkompromiss”: SPD, CDU, die Grünen, ÖDP und FDP gaben eine gemeinsame Erklärung heraus, das kaum zu vermitteln sei, “eine Gesamtschule in eine Sekundarschule umwandeln zu müssen und gleichzeitig an einem anderen Standort eine neue Gesamtschule zu gründen”.
Daher nehme man Abstand von der Neugründung einer Gesamtschule. Demgegenüber positionierten sich damals AfD, Linke und DKP gegen die Umwandlung. Der Erhalt und der Standort der Gesamtschule waren auch Wahlkampfthemen der Kommunalwahl 2025.
Im Schulausschuss Anfang April 2025 wurde im Rahmen des Vorgangs 2025/0149 über die Umwandlung diskutiert und die ersten Planungen der Verwaltung zur Umwandlung der JKG in eine Sekundarschule zur Kenntnis genommen. In der Vorlage ist unter “weiteres Vorgehen” auch der Stopp der Planungen der dritten Gesamtschule vermerkt.
Und in einem sog. “Richtungsbeschluss” vom 27.06.2025 – Vorgang 2025/0249 – wurde bei Gegenstimmen von DKP, Linken und AfD von den anderen Parteien beschlossen, den Umwandlungsprozess der JKG einzuleiten und die Gründung der dritten Gesamtschule auszusetzen.
2025: Umwandlungspläne und -folgen
Die Umwandlungspläne für die JKG schlugen hohe Wellen. Nicht nur, dass das die allererste Umwandlung einer Gesamt- zu einer Sekundarschule in ganz NRW wäre, auch die Schülerschaft protestierte, die Schulleitung, die Schulpflegschaft und weitere Akteure nahmen ebenfalls kritisch Stellung. Eine 2025 gestartete Petition hat innerhalb des letzten Jahres über 1.800 Unterstützer:innen gesammelt.
Denn die Umwandlung würde gravierende Folgen haben. Eine Sekundarschule umfasst nur die Sekundarstufe I (Sek I), also Klassen bis zur 10. Jahrgangsstufe, wohingegen eine Gesamtschule auch eine Sekundarstufe II (Sek II) umfasst und unter anderem auch ein Abitur als Abschluss nach 13 Jahren möglich ist. Aktuelle Gesamtschüler:innen könnten also den gegebenenfalls angestrebten Abschluss nach Umwandlung nicht mehr an der JKG (bzw. der noch umzubenennenden neuen Sekundarschule) machen, sondern müssten für die Oberstufe auf eine andere Schule wechseln. Laut Verwaltung solle aber durch Kooperationsvereinbarungen mit anderen Schulen allen angehenden Abiturient:innen der JKG die Möglichkeit eingeräumt werden, das Abitur auch zu erlangen.
Daneben sind weitere Auswirkungen z.B. auf die Personalstruktur der jetzigen JKG zu erwarten, da das teilweise für die Sek II ausgebildete Kollegium an einer reinen Sek I-Schule wohl nicht in der jetzigen Form erhalten bleiben wird und bereits jetzt mehrere Lehrer:innen ihren Schulwechsel angekündigt haben.
Außerdem sind durch die Umwandlung eventuell Auswirkungen auf die zukünftigen Anmeldezahlen zu erwarten, denn die Verunsicherung in der Elternschaft der jetzigen JKG-Sek I-Schülerinnen und Schüler sowie unter Eltern jetziger Grundschulkinder, die sich jetzt oder in naher Zukunft für eine weiterführende Schule entscheiden sollen, ist auf jeden Fall nicht zu unterschätzen. Meldet man sein Kind an einer Gesamtschule an, obwohl die Lebensdauer dieser Schulform absehbar dem Ende zugeht?
2026: Finanzen, Neu- und Erweiterungsbauten
Und 2026 kamen weitere Themen zu der Debatte hinzu. Die bereits seit 2022 laufende Sanierung der JKG-Gebäudesubstanz, die scheinbar bereits im Jahr 2024 hätte abgeschlossen sein sollen und mit 10 Mio. € – davon 90% gefördert – veranschlagt war, führte ebenso zu Unmut wie die Kosten der Neu- und Erweiterungsbauten der innerstädtischen Realschulen, die etwa 24 Mio. € kosten sollen. Zu beiden Vorgängen brachte sich unter anderem die Fraktion aus Grünen und ÖDP in Stellung:
“Wer Bildung ernst nimmt, muss auch in die Bildungsinfrastruktur investieren. Moderne und funktionierende Schulgebäude sind keine Nebensache, sondern Voraussetzung für gute Bildung”, lässt sich die Fraktion in der Presse zitieren. Außerdem solle freier Schulraum besser genutzt werden. Ob die Verwaltung wirklich alle möglichen Anstrengungen unternommen habe, um Anmeldungen von Realschulen zu Gesamtschulen umzuverteilen, wurde ebenfalls von Grünen und ÖDP angezweifelt. Dem entgegen stünde der Elternwille bzgl. der Auswahl der weiterführenden Schulen, hieß es in der Replik der Verwaltung, auch wenn das Land NRW Schuleinzugsbereiche zur Steuerung der Anmeldezahlen grundsätzlich erlaube.
2026: Geplante Gesetzesänderung
Um jetzt noch einen weiteren Komplexitätslayer hinzuzufügen, gäbe es eventuell eine theoretische Möglichkeit, die Janusz-Korczak-Schule als Gesamtschule zu erhalten. Nicht nur, dass sich mittlerweile die 49 Erstanmeldungen für das bald folgende Schuljahr 26/27 mit erfolgten Nachmeldungen und Teilnehmenden an der sog. “Erstförderung” auf momentan 87 (also drei Parallelklassen) summieren – das Land NRW arbeitet momentan auch an der Novelle der gesetzlichen Grundlagen zur Mindestgröße von Schulen:
Dazu soll “bei Schulen, die in der Regel Schülerinnen und Schüler aufnehmen, welche nach der Erprobungsstufe [also nach der sechsten Klasse] die Schulform wechseln”, in Zukunft die Schüler:innenzahl der 7. Klassen und nicht mehr die Anmeldezahlen der fünften Klasse ausschlaggebend sein. “Dadurch kann die Mindestgröße einer Schule auch dann als erreicht gelten, wenn sie spätestens ab Klasse 7 gesichert ist.”
Da die JKG häufig Schüler:innen aufnimmt, die nach der sechsten Klasse von anderen Schulformen wechseln, könnte damit ggf. ein Fortbestand der JKG in jetziger Form als Gesamtschule ermöglicht werden. Denn mit der Gesetzesänderung wären die von der Bezirksregierung angeregten Maßnahmen und im Endeffekt die Umwandlung der JKG in eine Sekundarschule nicht mehr zwingend erforderlich.
Das Gesetz befindet sich allerdings momentan erst im Entwurfsstadium und muss noch durch den Landtag. Ob und in welcher Form es beschlossen und wann es in Kraft tritt, ist also noch überhaupt nicht abzusehen.
2026: Endgütiger Umwandlungsbeschluss
Und nun folgte in der Schulausschusssitzung vom 10.06.2026 mit dem Vorgang 2026/0213 der vorerst letzte Akt. Kurz vorher brachte noch die Linke einen Änderungsantrag ein, mit der begleitenden Presseerklärung war sie in vielen Punkten deckungsgleich mit den bisherigen Ausführungen in diesem Video:
Die Dauerbaustelle beeinflusse die Attraktivität der JKG, die Schüler:innenzahl ab Klasse 7 könne nach Gesetzesänderungen eventuell ausreichend sein, der Wegfall der Sek II sei kaum zumutbar… Die Auswirkungen auf das Kollegium, die Stellungnahmen der Schulleitung und der Elternvertretung und mehr fanden darin Platz.
Der eigentlichen Debatte im Ausschuss waren sowohl ein Antrag zur Tagesordnung der Fraktion Grüne/ÖDP, nämlich die Entscheidung zur JKG komplett von der Tagesordnung zu nehmen, als auch ein Antrag der AfD auf Einräumung des Rederechts für den Schulleiter der JKG vorgelagert, die beide abgelehnt wurden. Auch die Abstimmung über den Antrag der Linken erhielt mit 8 Zustimmungen zu wenig Stimmen.
In der Debatte selbst wurden noch einmal alle Argumente ausgetauscht, schlussendlich wurde allerdings mit 16 : 8 Stimmen die Umwandlung der JKG in eine Sekundarschule beschlossen. Die Beratungsfolge sieht zwar noch Ende Juni eine Behandlung im Haupt-, Finanz- und Beschwerdeausschuss und eine endgültige Abstimmung im Rat der Stadt Anfang Juli vor. Diese Sitzungen werden an der Beschlusslage aber kaum etwas ändern.
2026: Doch noch eine dritte Gesamtschule?
Eine letzte Beobachtung: In allen Beschlüssen im Zusammenhang mit der Umwandlung der JKG bzgl. der ursprünglich geplanten dritten Gesamtschule werden Formulierungen benutzt wie “Solange dieser Umwandlungsprozess nicht abgeschlossen ist, wird der Beschluss zur Gründung einer neuen Gesamtschule vom 28.05.2024 nicht weiterverfolgt”. Unter anderem in den sozialen Medien hat das zu Vermutungen geführt, dass nach der Umwandlung der JKG in eine Sekundarschule die Planungen für eine neue Gesamtschule wieder aufgenommen würden. Belege oder offizielle Quellen dafür kenne ich allerdings nicht.
Zusammenfassung
Soweit erstmal zu den Vorgängen rund um die JKG irgendwo zwischen Parteipolitik, Verwaltungshandeln, Bezirksregierung, Landesgesetzen und betroffenen Schüler:innen, Eltern und Lehrer:innen.
Die Informationen zusammenzuklauben war übrigens selbst für interessierte und recherchefreudige Menschen nicht ganz einfach. Die ersten Treffer der Webseitensuche auf bottrop.de suggerieren noch immer die Gründung einer dritten Gesamtschule [Anm.: Die Aussage bezieht sich auf die Suche nach "Gesamtschule" zum Stand vom 17.06.2026 – erst der sechste Treffer behandelt die Umwandlung der JKG, mehrere Treffer davor verweisen auf die Pläne zur dritten Gesamtschule]. Wer auf eine Infoseite hofft, die alle Infos griffig und übersichtlich zusammenfasst, wird leider enttäuscht.
Und wer schon einmal die Recherchefunktion des Ratsinformationssystems genutzt hat, weiß um die etwas eingeschränkte Bedienfreundlichkeit durch fehlende Sortierungs- und Filterfunktionen der Suchergebnisse. Da sind also viele Klicks und Suchen notwendig, um sich ein Überblick zu verschaffen. Die Informationen von Bürger:innen, Eltern und weiteren betroffenen Gruppen halte ich also für mindestens ausbaufähig.
Zur Nachverfolgung der Ausschussdebatten, der Parteienstandpunkte und der Ausführungen der Verwaltung würden übrigens wortgenaue Transkripte statt Ergebnisprotokollen oder – noch besser – Videoaufzeichnungen mit durchsuchbaren Transkripten aller Sitzungen über die Ratssitzung hinaus sehr helfen.
Falls mir bei der Recherche und/oder in der Darstellung kleinere oder größere Fehler unterlaufen sind oder falls ich relevante Details vergessen habe, meldet euch gerne oder kommentiert diesen Beitrag.
Ansonsten folgt Teil zwei hierzu etwa Ende Juni. Wir haben manche der beteiligten Akteure nach der Schulausschusssitzung im Juni 2026 nach ihrer Einschätzung zum Prozess, zum Ergebnis und den Perspektiven für die Bildungslandschaft in Bottrop befragt. Die Antworten werden wir natürlich ebenfalls aufbereiten und veröffentlichen.
Bis hierhin vielen Dank fürs Zusehen und
bis bald!
Teil 2: Stellungnahmen der Parteien und der Verwaltung
[folgt etwa Ende Juni]